Abbau der Ferrochrom-Industrie in Südafrika
Die einst dominierende Ferrochrom-Industrie Südafrikas steht kurz vor dem Zusammenbruch und benötigt staatliche Rettungsmaßnahmen. Dieser Niedergang ist nicht darauf zurückzuführen, dass die Welt kein Ferrochrom mehr benötigt. Vielmehr haben die politischen Entscheidungsträger Südafrikas ihre Industriepolitik an eine „grüne” Agenda geknüpft, die eine zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung untergräbt und wirtschaftliche Stärke opfert.

Ferrochrom-Schmelzwerk in der Nähe von Lydenburg, Südafrika (Quelle: Shutterstock)
Lars Schernikau and Vijay Jayaraj
Date: 11. Januar 2026
Was in Südafrika geschieht, sollte jedes Land beschäftigen, das sich noch um Arbeitsplätze in der Fertigungsindustrie, Lieferketten und Energiekosten für normale Bürger sorgt.
Ferrochrom – das hauptsächlich aus Chromerz, Kohleprodukten und mit viel Strom hergestellt wird – ist kein Nischenprodukt. Ferrochrom wird wegen seiner Härte und Korrosionsbeständigkeit geschätzt und ist ein wichtiger Bestandteil von Edelstahl, einer Legierung, die bei der Herstellung von Küchengeräten, Industriewerkzeugen, Personenkraftwagen und Bauinfrastruktur verwendet wird. Eine moderne Fertigung ohne Ferrochrom ist kaum vorstellbar.
Alles, was Südafrika brauchte, um eine führende Edelstahlindustrie aufzubauen, war der Zugang zu diesem wertvollen Rohstoff im eigenen Land. Südafrika verfügt über zwei beneidenswerte Stärken: die weltweit größten bekannten Chromerz-Vorkommen und eine Ferrochrom-Produktionsbasis, die nach China an zweiter Stelle steht. Diese Kombination sollte den Wettbewerbsvorteil von südafrikanischem Ferrochrom sichern. Dennoch ist die Branche im Niedergang begriffen.
Glencore PLC, ein in London ansässiger Gigant der Branche, der 80 % des ehemals weltweit größten Produzenten Glencore-Merafe Venture in Südafrika besitzt, meldete einen Rückgang der Ferrochromproduktion um mehr als 25 % von 2024 bis 2025.
Der Rückgang der Produktion in Südafrika – von 600.000 auf 430.000 Tonnen – ist auf die ablehnende Haltung der Regierung gegenüber Kohle und ihre Bevorzugung von Technologien wie Windkraftanlagen und Sonnenkollektoren zurückzuführen – Ansichten, welche die grundlegenden Gesetze der Energie ignorieren.
Robert Cartman, Senior Analyst bei Fastmarkets prognostiziert, dass die Gesamtproduktion von Ferrochrom in Südafrika von 3,3 Millionen Tonnen im Jahr 2024 auf klägliche 1 Million Tonnen im Jahr 2026 sinken könnte. Zu diesem Zeitpunkt wird Südafrika keine wichtige Rolle mehr spielen. Bergwerke werden geschlossen. Das Fachwissen wird abwandern. Die Einnahmen werden verschwinden.
Die Ferrochromproduktion ist ein energieintensiver Prozess, der eine konstante, kostengünstige Stromversorgung für Lichtbogenöfen erfordert, die keine Schwankungen durch Wind- und Sonnenenergie tolerieren. Wenn Wolken aufziehen oder der Wind nachlässt, kann eine bei 1.700 Grad Celsius betriebene Schmelzanlage nicht einfach „pausieren“.
Ebenso wichtig ist, dass Kohle nicht nur eine Energiequelle für diese Industrie ist. Metallurgische Kohle ist ein chemischer Rohstoff, der Kohlenstoff als Reduktionsmittel liefert, um Sauerstoff aus Chromerz zu entfernen. Ohne Kohle gibt es kein Ferrochrom.
Für die Ferrochromindustrie gibt es keine praktische Alternative zu fossilen Brennstoffen, aber das südafrikanische Energiesystem behindert die Nutzung dieser wirtschaftlichen Energiequellen und beeinträchtigt die Zuverlässigkeit und Erschwinglichkeit von Strom.
Die Strompreise steigen seit Jahren. Allein im Jahr 2025 genehmigte die nationale Energieregulierungsbehörde eine Erhöhung um fast 13 % und setzte damit einen langen Trend starker Preiserhöhungen fort, welche die Haushalte und Unternehmensbilanzen belasten.
Während die Öfen in Südafrika kalt bleiben, wächst die Nachfrage nach Edelstahl weiter. Ein bedeutender Teil des Marktes hat sich jedoch von Südafrika abgewandt, sodass China Südafrika als führenden Ferrochromproduzenten überholt hat.
China hat verstanden, was Pretoria vergessen hat: Industrielle Dominanz erfordert zuverlässige, erschwingliche Energie, die bei Bedarf bereitgestellt werden kann, was weder Solar- noch Windenergie leisten können. Die chinesische Regierung importiert gerne südafrikanisches Chromerz, verarbeitet es in ihren eigenen Kohlekraftwerken und verkauft das fertige Ferrochrom weltweit. Südafrika exportiert damit einen großen Teil seines Bruttoinlandsprodukts, lagert Arbeitsplätze nach China aus und perpetuiert die Armut im eigenen Land.
Unter dem Druck der „woke“ ESG-Forderungen (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) Südafrikas kehren globale Investmentfirmen und Banken dem Rohstoffsektor des Landes den Rücken. Kohleabhängige Industrien in Südafrika werden von Versicherungen und Finanzdienstleistungen ausgeschlossen, während riesige Mengen an Kohle die asiatische Industriemaschine antreiben.
Es ist ein manipuliertes Spiel. Südafrika verstrickt sich in „grüne“ Vorschriften und „Kohlenstoff“-Steuern, um ausländische Eliten zu beschwichtigen, während globale Konkurrenten verstärkt auf fossile Brennstoffe setzen, die für den Aufbau starker Volkswirtschaften notwendig sind. Der neueste Integrierte Ressourcenplan 2025 (IRP2025) Südafrikas begünstigt weiterhin Wind- und Solarenergie.
Der Minister für Elektrizität, Kgosientsho Ramokgopa, räumte kürzlich ein, dass die explodierenden Stromrechnungen wehtun. „Das Ministerium für Elektrizität und Energie erkennt an, dass die steigenden Stromkosten eine ernsthafte Herausforderung für Haushalte, Unternehmen und die Wirtschaft insgesamt darstellen“, sagte er.
Dieses Eingeständnis ist ein seltener Moment der Klarheit seitens einer Regierung, die normalerweise mit Verschleierungstaktiken arbeitet. Ob die Versprechen von „politischen und strukturellen Maßnahmen“, die „im Laufe der Zeit“ zu einer Senkung der Stromkosten führen sollen, jemals erfüllt werden, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass der derzeitige Kurs den vollständigen Zusammenbruch der südafrikanischen Ferrochromindustrie mathematisch sicher macht.
Maßnahmen, die darauf abzielen, die Industrie zu retten, nachdem der Schaden bereits angerichtet ist, sind reaktiv und nicht strategisch. Die südafrikanischen Entscheidungsträger müssen zu einer Energieagenda übergehen, die die gegenwärtige Realität akzeptiert: Kohle und Erdgas sind für die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie unverzichtbar – zumindest solange, bis erschwingliche, zuverlässige und bedarfsgerechte Alternativen ihre Leistung und Kosten erreichen können.
Dieser Kommentar wurde erstmals am 7. Januar bei RealClear Markets veröffentlicht.
Übersetzt von Christian Freuer


Dr. Lars Schernikau
Dr. Lars Schernikau ist Energieökonom, Unternehmer, Rohstoffhändler, Autor, strategischer Berater und Mitglied der CO2 Coalition in Fairfax, Virginia. Er ist Mitautor einer aktuellen Analyse der südafrikanischen Energiepolitik.
Vijay Jayaraj
Vijay Jayaraj ist Energie- und Umweltanalyst sowie wissenschaftlicher Mitarbeiter der CO2 Coalition.
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