Der Rückgang der Gesamtenergieerzeugung ist der entscheidende Faktor für die CO₂-Reduzierung in Deutschland, nicht die erneuerbaren Energien
Der Rückgang der CO₂-Emissionen in Deutschland um rund 46 % im Zeitraum 2007–2023 war nicht das Ergebnis einer einfachen Substitution von Kohle durch erneuerbare Energiequellen (EE). Er war in erster Linie auf einen drastischen Rückgang der insgesamt erzeugten Energiemenge zurückzuführen.
Die Analyse der Daten zur Energieerzeugung in Deutschland zwischen 2000 und 2023 führt zu überraschenden Schlussfolgerungen. Während allgemein angenommen wird, dass der Ausbau der Wind- und Solarenergie maßgeblich für den Rückgang der CO₂-Emissionen verantwortlich ist, zeigen statistische Daten, dass der entscheidende Faktor der Rückgang der Gesamtenergieerzeugung war. Der Zubau neuer Erzeugungskapazitäten bei wetterabhängigen erneuerbaren Energiequellen (VRE) ermöglichte lediglich, die Auswirkungen des Ausstiegs aus der Kernenergie auszugleichen.
Analyse der Entwicklung der CO₂-Emissionen und Zusammensetzung des Energiemix’
Abbildung 1 veranschaulicht die Entwicklung der Strom- und Wärmeerzeugung aus fossilen Brennstoffen (Kohle, Öl, Erdgas – im Folgenden: CGO) im Verhältnis zum Umfang der in diesem Sektor verursachten CO₂-Emissionen. Die Analyse der empirischen Daten zeigt eine nahezu vollständige quantitative und qualitative Korrelation zwischen dem Rückgang der Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen und dem Rückgang der Kohlendioxidemissionen. Gleichzeitig ist eine starke Konvergenz dieser Trends mit dem Rückgang der Gesamtenergieerzeugung (Total) zu beobachten, die auch erneuerbare Energiequellen (Wind, Sonne, Wasser, Bioenergie) und Kernenergie umfasst.
Abb. 1: Zusammenhang zwischen der Energieerzeugung aus fossilen Brennstoffen (CGO), der Gesamtproduktion (Total) und den CO₂-Emissionen aus der Energieerzeugung aus fossilen Brennstoffen in Deutschland im Zeitraum 2000–2023. Die Grafik veranschaulicht die nahezu vollständige Übereinstimmung zwischen dem Umfang der CGO-Erzeugung und den Treibhausgasemissionen sowie eine enge Korrelation mit dem Rückgang der Gesamtproduktion (Daten von Our World in Data)
Es ist hervorzuheben, dass trotz eines deutlichen Rückgangs der Gesamtemissionen die spezifische Emissionsintensität des Energiesektors auf einem relativ konstanten Niveau bleibt und um einen Durchschnittswert von 0,96 kg CO₂/kWh schwankt. Dieses Phänomen tritt trotz des sukzessiven Rückgangs des Anteils von Kohle am Energiemix auf (ein Rückgang von 296,68 TWh im Jahr 2000 auf 124,78 TWh im Jahr 2023). Abbildung 2 stellt diese Zusammenhänge im breiteren Kontext des Strukturwandels dar und hebt den parallelen Prozess des Ausstiegs aus der Kernenergie (ein Rückgang um ca. 162,4 TWh zwischen 2000 und 2023) sowie das dynamische Wachstum wetterabhängiger Quellen (VRE – Wind und Sonne) hervor, deren Produktion im gleichen Zeitraum um ca. 192 TWh zunahm.
Abb. 2. Struktureller Wandel des deutschen Energiemix’: Ein Vergleich der Dynamik des Atomausstiegs (Atom) und des Wachstums wetterabhängiger Quellen (VRE – Wind+Solar) vor dem Hintergrund einer stabilen Emissionsintensität pro Einheit. Daten von Our World in Data.
Die anhaltende Stabilität der Emissionsintensität pro Einheit lässt darauf schließen, dass es im untersuchten Zeitraum keine radikale Verbesserung des durchschnittlichen thermischen Wirkungsgrads von Kraftwerken auf Basis fossiler Brennstoffe gab. Darüber hinaus zeigt die obige Bilanz, dass der Kapazitätsausbau im VRE-Sektor weitgehend dazu diente, stillgelegte Kernkraftwerke zu kompensieren, und dass die tatsächliche Emissionsminderung weitgehend durch den Rückgang der gesamten Energieversorgung im System bedingt war.
Es lässt sich feststellen, dass die Emissionsintensität von Kraftwerken auf Basis fossiler Brennstoffe in ausgewählten Jahren wie folgt war:
- Jahr 2000: 364,01 / 363,93 = 1,00 kg CO₂/kWh
- Jahr 2010: 361,68 / 378,24 = 0,96 kg CO₂/kWh
- Jahr 2023: 213,71 / 222,40 = 0,96 kg CO₂/kWh
Fast konstant
Somit ist der durchschnittliche Emissionsgrad des deutschen fossilen Brennstoffmix’ seit 23 Jahren nahezu konstant geblieben. Tabelle 1 zeigt die detaillierte Entwicklung der Energieerzeugung vom Produktionshöchststand der CGO-Quellen im Jahr 2007 (401,13 TWh) bis zum letzten vollständigen Datenjahr (2023). Das Jahr 2007 war zudem durch die höchsten CO₂-Emissionen gekennzeichnet, die sich auf 392,57 Millionen Tonnen beliefen.
Der Vergleich der oben genannten Daten offenbart ein Phänomen, das als Paradoxon des Strukturwandels bezeichnet werden kann. Während in der gängigen Darstellung die Emissionsminderungen dem Ausbau wetterabhängiger erneuerbarer Energiequellen (VRE) zugeschrieben werden, deutet die detaillierte Energiebilanz auf einen anderen Prozess hin.
Im Betrachtungszeitraum wurde der Anstieg der Produktion aus Wind- und Solarenergie um 157,73 TWh fast vollständig durch den gleichzeitigen Abbau emissionsfreier Kernkraftkapazitäten ausgeglichen, deren Produktion um 133,31 TWh zurückging. Infolgedessen betrug der tatsächliche Nettozuwachs an neuer emissionsarmer Energie im System nur 24,42 TWh. Das bedeutet, dass bis zu 85 % des Dekarbonisierungspotenzials der erneuerbaren Energien durch den Ausstieg aus der Kernenergie aufgezehrt worden sind anstatt direkt die emissionsintensive Verbrennung fossiler Brennstoffe zu ersetzen.
Da die Erzeugung aus fossilen Brennstoffen im betrachteten Zeitraum um 178,73 TWh zurückging und der Nettozuwachs durch neue emissionsfreie Quellen nur 24,42 TWh betrug, ergibt sich ein Defizit von 154,31 TWh. Dieser Wert stimmt weitgehend mit dem Rückgang der Gesamtenergieerzeugung (Total) überein, der im besagten Zeitraum 127,41 TWh betrug.
Es lässt sich daher die These aufstellen, dass über 71 % (127,41 von 178,73 TWh) des Rückgangs der Verbrennung fossiler Brennstoffe – und folglich des Rückgangs der CO₂-Emissionen – nicht auf den Anstieg des Anteils erneuerbarer Energien zurückzuführen sind, sondern auf die Begrenzung der Gesamtenergieversorgung im deutschen Stromsystem.
Zusammenfassung
Die durchgeführte Analyse belegt, dass der Rückgang der CO₂-Emissionen in Deutschland um rund 46 % im Zeitraum 2007–2023 nicht das Ergebnis einer einfachen Substitution von Kohle durch erneuerbare Energien war. Er war in erster Linie durch einen drastischen Rückgang der insgesamt erzeugten Energiemenge bedingt.
Wäre der Energiebedarf auf dem Niveau von 2007 geblieben, hätte sich der derzeitige Ausbau von Wind- und Solarenergie als unzureichend für eine signifikante Emissionsminderung erwiesen, da er zunächst die Lücke hätte schließen müssen, die durch den Ausstieg aus der Kernenergie entstanden war. Die deutsche Energiewende im betrachteten Zeitraum beruhte daher auf zwei miteinander verflochtenen Säulen:
- Ausbau der erneuerbaren Energien, der in erster Linie dazu diente, die emissionsfreie Kernenergie zu ersetzen.
- Die Reduzierung der Gesamtproduktion, die den tatsächlichen Rückzug emissionsintensiver Kraftwerke aus dem Energiemix ermöglichte.
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass ohne einen systemischen Rückgang der Energieproduktion (der unter anderem auf strukturelle Veränderungen in der Industrie und die Außenhandelsbilanz im Energiebereich zurückzuführen ist) die Klimaziele bei der derzeitigen Geschwindigkeit des Ausbaus erneuerbarer Energien und dem gleichzeitigen Ausstieg aus der Kernenergie unmöglich zu erreichen gewesen wären.
Prof. Dr. habil. Ing. Ziemowit Miłosz Malecha ist Professor an der Fakultät für Maschinenbau und Energietechnik der Wrocław University of Science and Technology.
Übersetzt von Christian Freuer
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