Die Analogie zwischen Mao Zedong und den heutigen westlichen Führern

„Es ist unmöglich, die Analogie zwischen den Ereignissen, die zur Großen Hungersnot in China in den Jahren 1958–1962 führten, und der anhaltenden Energiekatastrophe, die verschiedenen US-Bundesstaaten und anderen westlichen Ländern von einer ebenso ignoranten Clique politischer Ideologen aufgezwungen wird, nicht zu bemerken“, sagt Francis Menton.

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Mao Zedong's portrait above the entrance to Tiananmen Gate in Beijing, China.

Quelle: Shutterstock

Francis Menton
Datum: 25. Oktober 2026

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Wie bereits erwähnt, lese ich gerade Frank Dikötters Trilogie über die Geschichte Chinas unter Mao Zedong (1949–1976). Der Band, der die Jahre 1958–1962 behandelt, trägt den Titel „Maos Große Hungersnot“. Mao und seine Gefolgschaft nannten diese Jahre „Der Große Sprung nach vorn“.

Die Geschichte in diesem Buch liefert genau die Art von entscheidender und leicht zugänglicher Information darüber, wie die reale Welt funktioniert – eine Information, die unseren frisch gebackenen Eliteabsolventen irgendwie entgangen ist. Kurz gesagt: Eine Clique politischer Ideologen, die keinerlei Ahnung von den tatsächlichen Produktionsprozessen hat, übernimmt die Kontrolle über die wichtigsten wirtschaftlichen Entscheidungen. Sie halten ihre Ideen für brillant, wie sie die Wirtschaft transformieren und alles besser machen können. Innerhalb kürzester Zeit bricht die Produktion zusammen und die Menschen hungern.

Es ist unmöglich, die enge Analogie zwischen den Ereignissen, die zu Chinas Katastrophe führten, und der andauernden Energiekatastrophe zu übersehen, die verschiedenen US-Bundesstaaten und anderen westlichen Ländern von einer ebenso ignoranten Clique politischer Ideologen aufgezwungen wird.

„Der große Sprung nach vorn“

Chinas „Großer Sprung nach vorn“ konzentrierte sich hauptsächlich auf drei große Wirtschaftsbereiche: Bewässerungsprojekte, Stahlproduktion und Landwirtschaft. Alle drei Initiativen scheiterten vollständig, und zwar aus im Wesentlichen denselben Gründen. Im Bereich der Bewässerung und Stahlproduktion wurden enorme Ressourcen verschwendet, doch nach dem Scheitern der Projekte befand sich das Land im Grunde wieder am Ausgangspunkt. Die Agrarprojekte unterschieden sich insofern, als nach ihrem Scheitern zig Millionen Menschen verhungerten. Daher werde ich mich in diesem Beitrag auf diese Projekte konzentrieren.

Mao und seine Clique waren, laut Dikötter, überzeugte Anhänger des Kommunismus. Sie glaubten, sobald die Menschen in Kommunen organisiert und von oben entsprechend gelenkt seien, würde der „Kommunismus“ schnell folgen. „Kommunismus“ bedeutete in diesem Verständnis eine Situation, in der die Produktion so unbegrenzt wäre, dass Güter – marxistisch formuliert – „jedem nach seinen Bedürfnissen“ verteilt werden konnten.

Und doch kämpfte die Sowjetunion unter Stalin und später unter Chruschtschow bereits seit rund 40 Jahren darum, ohne diese Utopie zu erreichen. Mao hingegen plante für China einen raschen Übergang zum Kommunismus durch seine aufgeklärte Führung. 1957 verkündete er, dass dieser Übergang stark beschleunigt und innerhalb weniger Jahre im sogenannten „Großen Sprung nach vorn“ vollzogen werden sollte.

Landwirtschaft

Doch wie sollte das gelingen? Im Bereich der Landwirtschaft befürwortete Mao zwei große Ideen, um die Ernteerträge um ein Vielfaches zu steigern. Diese beiden Ideen waren als „verdichtete Bepflanzung“ und „Tiefenbearbeitung“ bekannt.

„Verdichtete Bepflanzung“ bedeutete im Grunde, viel mehr Samen oder Triebe auf derselben Fläche auszusäen. Das würde natürlich viel höhere Erträge bedeuten, nicht wahr? Aus „Maos große Hungersnot“, auf Seite 39:

Um höhere Erträge zu erzielen, wurde eine hohe Saatgutkonzentration verwendet. Beispielsweise wurden in Diaofang, Guangdong, in kargen Berggebieten bis zu 600 Kilogramm Saatgut pro Hektar ausgesät. Die enge Bepflanzung war der Grundstein innovativer Tiefenbearbeitung. Vorsitzender Mao erklärte: „In Gesellschaft wachsen sie leichter. In Gesellschaft fühlen sie sich wohler.“ Die Dorfbewohner wurden angewiesen, Reis-Pflanzen von benachbarten Streifen auf das Versuchsfeld zu verpflanzen.

Und dann gab es noch die „Tiefenbearbeitung“. Anstatt den Boden nur wenige Zentimeter tief mit einem Pflug umzugraben, wurde er bis zu einer Tiefe von 30 Zentimetern, ja sogar 60 oder 90 Zentimetern umgegraben. Auf Seite 39:

Tiefenbearbeitung war eine weitere revolutionäre Methode, um die Bauern von den Launen des Bodens zu befreien. Je tiefer die Pflanzen gesetzt wurden, desto stärker die Wurzeln und desto höher der Stängel – so die Logik hinter diesem Experiment. „Setzt menschliche Gruppen ein und wendet jedes Feld!“, befahl Mao. … Bis September 1958 waren rund 8 Millionen Hektar Land etwa 30 Zentimeter tief umgepflügt worden, doch die Führung forderte noch mehr.

Diese angeblich genialen, vom Vorsitzenden befürworteten Ideen waren in Wirklichkeit haarsträubende Pläne, die die Erträge eher verringerten als steigerten. Aus Seite 40:

Die Dorfbewohner wussten es natürlich besser: Sie hatten das Land seit Generationen bearbeitet und wussten, wie man eine wertvolle Ressource pflegt, von der ihr Lebensunterhalt abhing.

Im Juli 1958 stattete der sowjetische Ministerpräsident Nikita Chruschtschow Mao in Peking einen Besuch ab. Dikötter beschreibt den Besuch auf den Seiten 44–45. Mao lud Chruschtschow zum Schwimmen im Pool ein. Mao war ein guter Schwimmer, Chruschtschow hingegen konnte nicht schwimmen.

Nachdem er im flachen Wasser mit einem sperrigen Rettungsring herumgezappelt hatte, kroch Chruschtschow schließlich aus dem Becken und strampelte am Rand, wobei er ungeschickt mit den Beinen im Wasser baumelte, während Mao hin und her schwamm und seinem Gast verschiedene Schwimmstile vorführte, bevor er sich auf den Rücken drehte und bequem im Wasser trieb.

Dann begann Mao, mit dem erwarteten Erfolg des Großen Sprungs nach vorn zu prahlen:

Während er Wasser trat, und sein Gast am Beckenrand niedergeschlagen saß und das Wasser betrachtete, sprach der Vorsitzende über den Erfolg des Großen Sprungs nach vorn. „Wir haben so viel Reis, dass wir gar nicht mehr wissen, was wir damit anfangen sollen“, prahlte er. „Was uns jetzt Sorgen bereitet, ist weniger der Nahrungsmittelmangel, sondern vielmehr, was wir mit dem Getreideüberschuss anfangen sollen.“ 

Versprechen

Doch die angekündigte Riesenernte blieb aus. Mao hatte von den Führern aller Regionen und Provinzen verlangt, Versprechungen hinsichtlich der jeweiligen Getreideproduktion zu machen. Die regionalen Führer lieferten sich einen Wettstreit und machten absurde Versprechungen, die sie nicht einhalten konnten. Auf Seite 37:

[Im Jahr 1958] befand sich ganz China im Bann des Zielfiebers. Fantastische Zahlen zur Agrar- und Industrieproduktion wetteiferten um Aufmerksamkeit. Diese Behauptungen wurden auf Parteiversammlungen verbreitet und von einer mächtigen Propagandamaschinerie publik gemacht. … [Beispielsweise] wurde in Chayashan, Henan, … im Februar 1958 ein Ziel von 4.200 Kilogramm Weizen pro Hektar festgelegt. … Bis zum Jahresende wurde ein völlig unrealistischer Wert von 37,5 Tonnen pro Hektar versprochen.

Um diese Zahlen in eine verständlichere Form zu bringen: 4200 Kilogramm pro Hektar entsprechen mehr als 150 Scheffel pro Hektar. Das übertrifft selbst heute noch die durchschnittlichen Erträge der USA nach jahrzehntelangen Fortschritten in der Landwirtschaft und war deutlich doppelt so hoch oder sogar noch höher als das, was China in den 1950er Jahren tatsächlich erzielen konnte. 37,5 Tonnen pro Hektar sind immer noch fast zehnmal so viel.

Was geschah also tatsächlich? Durch die Kollektivierung erstickte der Produktionsanreiz (und die landwirtschaftlichen Arbeitskräfte wurden für ebenso absurde Bewässerungs- und Stahlprojekte abgezogen), wodurch die Erträge sanken, statt zu steigen. Die Partei benötigte jedoch Getreide, um die städtische Bevölkerung zu ernähren, und Devisen für den Kauf von Industrieanlagen zu erwirtschaften, mit denen der Aufbau einer Industriegesellschaft beginnen sollte. Die Zentralregierung beschlagnahmte Getreide vom Land in den zugesagten Mengen. Dadurch blieb nichts für die ländlichen Gemeinden übrig, wodurch Millionen von Menschen verhungerten.

Nun, hier in New York haben wir Politiker, die keine Ahnung von Stromnetzen haben und anordnen, dass das bestehende, funktionierende Stromerzeugungssystem innerhalb weniger Jahre durch ein neues System ersetzt werden soll, das auf der fluktuierenden Erzeugung von Wind- und Sonnenenergie basiert. Und das betrifft nicht nur New York. Auch in Kalifornien, weiten Teilen Europas und Australien sind wir von denselben Illusionen gefangen. Man baue einfach genügend Windkraftanlagen und Solarmodule und schalte die bedarfsgerechte Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ab, dann funktioniere alles einwandfrei. Das ist nicht viel anders, als wenn jemand, der noch nie etwas angebaut hat, behauptet, man könne den Ertrag pro Hektar verdoppeln, indem man doppelt so viele Samen sät.

Übersetzung: Eric Vieira

Dieser Artikel wurde erstmals am 18. Oktober 2026 auf Manhattan Contrarian veröffentlicht.

Francis Menton

Zum 31. Dezember 2015 ging Francis Menton nach über 40 Jahren (davon 31 Jahre als Partner) bei der Anwaltskanzlei Willkie Farr & Gallagher LLP in den Ruhestand. Danach konnte er sich verstärkt seinem Blog „Manhattan Contrarian“ widmen. Er schreibt provokante Beiträge aus dem New Yorker West Village, wo die Bewohner laut Menton unter einer erdrückenden politischen und ideologischen Orthodoxie leiden. Sie können Menton auf Twitter folgen, indem Sie auf diesen Link klicken.

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By |2026-10-24T18:18:53+02:00October 25, 2026|Comments Off on Die Analogie zwischen Mao Zedong und den heutigen westlichen Führern
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