Lindzen, Happer und Koonin: entfern das „Trojanische Pferd“ aus dem Gerichtssaal!
Eine neue Ausgabe eines Handbuchs zur naturwissenschaftlichen Bildung für Richter weiche „deutlich“ von einer „langjährigen Tradition der Neutralität“ ab, schreiben drei der renommiertesten Physiker Amerikas in einem Brief an den Vorsitzenden Richter des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten, John Roberts.
In einem offenen Brief an Richter Roberts schrieben Dr. Richard Lindzen vom Massachusetts Institute of Technology, Dr. William Happer von der Princeton University und Dr. Steven Koonin von der Hoover Institution der Stanford University. Richter Roberts ist Vorsitzender des Federal Judicial Center, dem Herausgeber der vierten Auflage des „Reference Manual on Scientific Evidence“ [etwa: Handbuch zu wissenschaftlichen Erkenntnissen], dessen neues Kapitel zum Thema „Wie Wissenschaft funktioniert“ die Verfasser des Briefes gestrichen sehen möchten.
Seit Jahrzehnten dient das Referenzhandbuch mehr als 3.000 Bundesrichtern und unzähligen Juristen auf Landesebene als unverzichtbarer Leitfaden. In über 1.700 Gerichtsurteilen zitiert hat es den Gerichten dabei geholfen, verlässliche Wissenschaft von Spekulationen zu unterscheiden. Seine Stärke liegt in dem Bestreben, die Funktionsweise der Wissenschaft gemäß den Grundsätzen der 300 Jahre alten wissenschaftlichen Verfahren zu beschreiben und dabei politische Erwägungen sowie ein Abgleiten in die Pseudowissenschaft zu vermeiden.
Die Verfasser des Briefes, die zusammen über mehr als 600 begutachtete Publikationen verfügen, bringen beispielloses Fachwissen in diese Angelegenheit ein. Ihre Sorge gilt vor allem der Ersetzung des angesehenen Kapitels des verstorbenen David Goodstein durch eine überladene, intellektuell mangelhafte 65-seitige Fassung.
Weisberg
Der Hauptautor des neuen Kapitels ist der Philosoph Michael Weisberg, der als Diplomat bei Klimaverhandlungen der Vereinten Nationen eine herausragende Rolle spielte, wo er sich für finanzielle Zahlungen an kleine Inselstaaten einsetzte, die angeblich durch die Erderwärmung bedroht sind. Der Anschein eines Interessenkonflikts angesichts seiner Mitwirkung an einem angeblich neutralen Leitfaden zu wissenschaftlichen Erkenntnissen ist unverkennbar – insbesondere im Zusammenhang mit Klimaklagen, bei denen es um potenzielle Haftungsansprüche in Höhe von Billionen Dollar geht.
Die inhaltlichen Probleme sind noch gravierender. Während Goodstein, ehemals Physikprofessor am California Institute of Technology, die wissenschaftliche Methode – das Aufstellen von Hypothesen und deren Überprüfung anhand von Daten – betonte, wird das wissenschaftliche Verfahren im neuen Kapitel als „Mythos“ abgetan. Stattdessen werden „wissenschaftlicher Konsens“ und „breite Akzeptanz“ zur höchsten Form der Gewissheit erhoben, wodurch wissenschaftliche Forschung zu einem Beliebtheitswettbewerb verkommt.
Dies kehrt die traditionelle Vorgehensweise in der Wissenschaft um. Wie der Nobelpreisträger Richard Feynman feststellte, liegt der Schlüssel zur Wissenschaft darin, Vorhersagen direkt mit Beobachtungen zu vergleichen: „Wenn es nicht mit dem Experiment übereinstimmt, ist es falsch.“
In der Rechtssache Daubert gegen Merrell Dow Pharmaceuticals (1993) vertrat der Oberste Gerichtshof den gleichen Standpunkt: Wissenschaftliche Erkenntnisse müssen durch die Überprüfung von Hypothesen anhand der Realität gewonnen werden. In Goodsteins früherer Ausgabe hieß es: „Daten sind das A und O der Wissenschaft“, und Theorien müssen neue Vorhersagen treffen, die widerlegt oder bestätigt werden können. Konsens hingegen ist ein soziologisches Phänomen.
Händler des Zweifels
Michael Crichton warnte bekanntlich: „Wenn es Konsens ist, ist es keine Wissenschaft. Wenn es Wissenschaft ist, ist es kein Konsens.“ Die Geschichte bestätigt dies. Der weit verbreitete „Konsens“ über Plattentektonik, Krankheitsursachen und die Ängste vor einer globalen Abkühlung im 20. Jahrhundert wurde durch Beweise widerlegt, nicht durch Abstimmungen.
Die aktivistischen Tendenzen des Kapitels werden durch das einleitende Zitat aus Naomi Oreskes und Erik Conways Buch „Merchants of Doubt“ noch deutlicher, einem Werk, das behauptet, es gebe „keinerlei Meinungsverschiedenheiten unter echten Wissenschaftlern“ hinsichtlich des katastrophalen Klimawandels – eine Behauptung, der eine Fülle von Daten aus der realen Welt widerspricht.
Die Einstufung von qualifizierten Andersdenkenden als außerhalb der „echten Wissenschaft“ stehend hat in einem Lehrdokument für Richter keinen Platz. Wissenschaft schreitet voran, indem sie vorherrschende Ansichten mit Daten hinterfragt, nicht indem sie Gemeinschaftsnormen durchsetzt.
Das Federal Judicial Center hat ein Kapitel über Klimawissenschaft klugerweise aus dem Handbuch zurückgezogen, nachdem 28 Generalstaatsanwälte dessen Widersprüche und unbegründete Behauptungen dokumentiert hatten. Dennoch bleibt das Kapitel „How Science Works“ bestehen, das größtenteils zur Untermauerung dieses nun entfernten Materials verfasst wurde.
Angesichts von mehr als 1.000 anhängigen klimabezogenen Verfahren vor Bundes- und Landesgerichten verdienen Richter Leitlinien, die auf empirischer Genauigkeit beruhen. Lindzen, Happer und Koonin haben Recht. Das Center sollte das neue Kapitel umgehend zurückziehen und Goodsteins frühere Fassung wieder einfügen, die den Kern wissenschaftlicher Argumentation in einer Sprache wiedergab, die auch für Leser ohne wissenschaftlichen Hintergrund – über den die meisten Juristen nicht verfügen – verständlich ist.
Sie sollten zudem die National Academy of Sciences anweisen, beide Kapitel aus ihrer Fassung des Handbuchs zurückzuziehen. Die Wahrung der Integrität der richterlichen Leitlinien zur Wissenschaft ist keine parteipolitische Frage.
Richter Roberts und das Federal Judicial Center haben die Gelegenheit, ihr Bekenntnis zur Neutralität zu bekräftigen und das Vertrauen in das Handbuch wiederherzustellen. In einer Zeit, in der die Wissenschaft zunehmend politisiert wird, ist die Aufrechterhaltung strenger Standards dafür, was vor Gericht als wissenschaftlicher Beweis gilt, von entscheidender Bedeutung. Die Glaubwürdigkeit des amerikanischen Justizsystems verlangt nichts Geringeres.
Dieser Kommentar wurde erstmals am 27. April auf Daily Caller veröffentlicht.
Angela Wheeler ist Geschäftsführerin der CO2 Coalition in Fairfax, Virginia. Sie schloss ihr Studium an der Emporia State University in Kansas mit einem Abschluss in Kommunikationswissenschaften sowie Zusatzkursen in Biologie und Vorbereitungskursen für das Medizinstudium mit der Auszeichnung „cum laude“ ab.
Übersetzt von Christian Freuer
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