„Männliches Verhalten schadet dem Planeten“, heißt es auf Phys.org
Die weltweite Klimadebatte scheint sich zugunsten der Skeptiker zu entwickeln. Doch wie Charles Rotter im Folgenden aufzeigt, verbreitet die Gegenseite nach wie vor einige ziemlich extreme und abwegige Klimatheorien.
Am vergangenen Dienstag (5. Mai) veröffentlichte Phys.org – ein Wissenschaftsaggregator, dessen Beiträge von vielen Mainstream-Medien aufgegriffen werden – einen Artikel mit der Überschrift [übersetzt]:
„Männliches Verhalten schadet dem Planeten, so eine neue Studie.“
https://phys.org/news/2026-05-masculine-behavior-bad-planet.html
Die Pressemitteilung beginnt mit der Ankündigung, dass „gerade eine bedeutende neue Studie zu Klimawandel, globaler Erwärmung und Umweltzerstörung veröffentlicht worden ist, in der untersucht wird, wie diese Phänomene mit dem menschlichen Handeln zusammenhängen und was dagegen unternommen werden kann“. Man könnte es einem Leser nachsehen, wenn er davon ausgeht, dass im Rahmen einer neuen Studie Messungen durchgeführt, Erkenntnisse gewonnen und Schlussfolgerungen gezogen wurden.
Das ist hier jedoch nicht der Fall.
Bei der fraglichen „Forschung“ handelt es sich um eine redaktionelle Einleitung zu einer doppelten Sonderausgabe von NORMA: International Journal for Masculinity Studies, verfasst von Kadri Aavik (Universität Tallinn), Jeff Hearn (Huddersfield), Martin Hultman (Göteborg) und Tamara Shefer (University of the Western Cape). Sie stellt zweiundzwanzig Beiträge in zwei Ausgaben vor, deren Titel von Analysen zu „Fleisch befürwortenden Online-Influencern in Finnland“ bis hin zu Diskussionen über Pipeline-Politik in Kanada reichen. Das Leitmotiv des Leitartikels ist „(M)Anthropozän“, das Anthropozän mit einem männlichen Präfix vorangestellt, um zu signalisieren, wer nach Ansicht der Autoren verantwortlich ist.
In Wirklichkeit aber geht Folgendes vor:
Was dieses Dokument ist
Dies ist keine Studie. Es handelt sich um einen Leitartikel, mit dem die Einleitung einer von Gastredakteuren herausgegebenen Zeitschriftenausgabe den Rahmen für die folgenden Beiträge absteckt. Er erscheint in einer geisteswissenschaftlichen Zeitschrift, die sich auf Gender-Theorie konzentriert, und tut – nach ihren eigenen Maßstäben – genau das, was eine solche Zeitschrift tun soll.
Das ist das erste Problem der Berichterstattung in den Medien. Die Formulierung von Phys.org – „neue Forschung“, „bedeutende neue Forschung zum Klimawandel“ – suggeriert den Lesern, dass sie auf empirische Erkenntnisse über das Klimasystem oder zumindest über Emissionen stoßen. Das tun sie jedoch nicht. Sie stoßen auf einen theoretischen Rahmen, der in einer geisteswissenschaftlichen Zeitschrift vorgestellt wird und der die Existenz und das Ausmaß des Klimawandels als Prämisse nimmt, um dann einer Geschlechterkategorie kausale und moralische Verantwortung zuzuweisen.
Dies ist die Art von Unterscheidung, bei der die Wissenschaftspresse im Allgemeinen vorsichtig ist, wenn die Politik in die andere Richtung geht. Ein Arbeitspapier eines marktwirtschaftlichen Thinktanks, das die Sensitivität eines Klimamodells in Frage stellt, wird mit Vorbehalten überhäuft, bis es kaum noch zu erkennen ist. Ein Leitartikel in einer Zeitschrift für Männlichkeitsstudien, der behauptet, der Klimawandel sei die Schuld „weißer Elite-Männer aus dem westlichen Europa“, wird in den Schlagzeilen behandelt, ohne dass auch nur einmal „Forscher argumentieren“ erwähnt wird.
Die These
Die Argumentation des Leitartikels baut auf einigen Argumentationsschritten auf, die der Leser erkennen können sollte.
Der erste Schritt besteht darin festzustellen, dass Männer im Durchschnitt einen höheren CO₂-Fußabdruck haben als Frauen, was hauptsächlich auf Verkehr, Tourismus und Fleischkonsum zurückzuführen ist. Das ist wahr und nicht weiter bemerkenswert. Es handelt sich dabei auch um eine statistische Regelmäßigkeit auf Bevölkerungsebene, die so gut wie nichts darüber aussagt, was den Klimawandel auf planetarischer Ebene verursacht: Die globalen Emissionen werden durch die Energieintensität der Ernährung, der Unterbringung, des Transports und der Stromversorgung von acht Milliarden Menschen bestimmt, nicht davon, wer in Helsinki am meisten Steak isst.
Der zweite Schritt besteht darin festzustellen, dass Männer die Führungs- und Eigentumspositionen in der Rohstoffgewinnung und in energieintensiven Branchen dominieren. Auch das ist richtig. Es handelt sich dabei zudem um die Beschreibung eines weitaus umfassenderen Musters: Männer dominieren die Führungs- und Eigentumspositionen in praktisch jedem gefährlichen, schmutzigen, körperlich anstrengenden oder kapitalintensiven Beruf in jeder Gesellschaft, für die uns Aufzeichnungen vorliegen – einschließlich jener Gesellschaften, welche die Autoren nicht als patriarchalisch betrachten würden. Der Leitartikel bietet keine Erklärung dafür, wie Männlichkeit an sich den Verbrauch fossiler Brennstoffe verursacht, im Gegensatz dazu, dass sie dazu führt, dass Männer überproportional häufig in Berufen landen, die mit der Erzeugung der Energie verbunden sind, von der das moderne Leben abhängt. Die Korrelation wird als moralische Anklage behandelt, ohne dass der kausale Zusammenhang begründet wird.
Der dritte Schritt ist derjenige, der die größte Wirkung hat, und es lohnt sich, ihn direkt zu zitieren:
„Klimaleugnung geht oft mit Frauenfeindlichkeit einher“
Dies ist der rhetorische Kern des gesamten Projekts. Er wandelt substanzielle Meinungsverschiedenheiten mit dem Konsens-Rahmen in einen Persönlichkeitsfehler um, genauer gesagt in eine geschlechtsspezifische Pathologie. Es ist das gleiche Manöver, das Hultman in seiner viel zitierten Abhandlung „Cool Dudes in Norway“ [etwa: coole Typen in Norwegen] anwandte, in der er klimaskeptische norwegische Männer als unter einer bestimmten Form bedrohter Männlichkeit leidend darstellte. In dem neuen Leitartikel wird dieser Schritt verallgemeinert: Zweifel werden nun diagnostiziert.
Das ist keine ernsthafte Form der intellektuellen Auseinandersetzung. Es ist das, was man tut, anstatt sich wirklich auseinanderzusetzen. Wenn Ihr Weltbild davon ausgeht, dass Menschen, die anderer Meinung sind als Sie, keine Argumente vorbringen, sondern lediglich psychische Verletzungen zum Ausdruck bringen, haben Sie sich ein Denkschema geschaffen, in dem Sie nicht verlieren können und aus dem Sie nichts lernen können. Es ist im strengen Sinne nicht widerlegbar.
Das labile Subjekt
Ein weiteres Problem zieht sich durch den Leitartikel, auf das Leser, die sich in dieser Fachliteratur nicht auskennen, vielleicht hingewiesen werden sollten.
„Männer“ ist in dem Artikel keine feste Kategorie. Manchmal bezeichnet er damit grob die Hälfte der Menschheit. Manchmal ist damit speziell die „weiße westliche Elite der Männer“ gemeint. Manchmal sind damit rechtsextreme politische Eliten gemeint. Manchmal wird der Begriff erweitert, um alle Akteure in den Industrieländern einzuschließen; manchmal wird er auf die Führungsspitzen der großen Ölkonzerne beschränkt. Die Kategorie wird immer dann neu definiert, wenn es die rhetorische Situation erfordert.
Das ist zwar bequem, aber schädlich. Wenn „Männer“ die industrielle Zivilisation verursacht hätten, wären die meisten Männer in der Geschichte der Menschheit davon ausgenommen, da die meisten Männer nie Zugang zu der Art von industrieller Kapazität hatten, die der Leitartikel beschreibt. Wenn nur „weiße Männer der westlichen Elite“ dafür verantwortlich wären, würde die Anklage gegen die Männlichkeit an sich zusammenbrechen, denn was hier beschrieben wird, ist nur ein kleiner Ausschnitt einer bestimmten Klasse in einer bestimmten Region während zweier bestimmter Jahrhunderte. Der Leitartikel will eine pauschale Behauptung aufstellen, während er nur für die eng gefasste verantwortlich ist.
Eine echte Analyse erfordert, dass man sich für eine Kategorie entscheidet und dabei bleibt. Aktivismus tut das nicht.
Das Genre
An der Schnittstelle zwischen aktivistischer Geisteswissenschaft und Klimadiskurs entwickelt sich ein neues Forschungsgenre, und dieser Leitartikel ist ein typisches Beispiel dafür. Seine Merkmale lassen sich in Dutzenden ähnlicher Artikel wiedererkennen: die Prämisse, dass der Klimawandel als Tatsache feststeht und katastrophale Folgen hat; eine geschlechtsspezifische, rassistische oder postkoloniale Neuinterpretation, die darauf angewendet wird; ein analytischer Ansatz, der Meinungsverschiedenheiten eher als Pathologie denn als Substanz behandelt; und eine abschließende Aufforderung, „unseren Teil zur gemeinsamen Schaffung einer geschlechtergerechten und ökologisch nachhaltigen Zukunft beizutragen“ oder eine ähnliche Variante davon.
Es handelt sich um ein Fachgebiet, das über eigene Fachzeitschriften, eigene Konferenzen, eigene Fördermittel und eine eigene Fußnoten-Ökologie verfügt. Der hier besprochene Leitartikel zitiert Hultmans frühere Arbeit, die wiederum die vorangegangene Literatur zitiert, die wiederum Hultman zitiert. Der Begriff „(M)Anthropozän“ selbst stammt aus einem Kapitel von Hultman und Paul Pulé aus dem Jahr 2019 in einem Routledge-Handbuch, das ebenfalls von Shefer, einem der Autoren des vorliegenden Leitartikels, mit herausgegeben wurde.
Dies ist akademisch anerkannt. Es ist jedoch keine Klimawissenschaft. Und es sollte nicht von einer Pressestelle als Klimawissenschaft ausgegeben werden, deren Leserschaft vernünftigerweise erwartet, dass das Wort „Forschung“ etwas Bestimmtes bedeutet.
Was das kostet
Der letzte Punkt ist es, bei dem man etwas länger verweilen sollte.
Die Autoren sind an öffentlich finanzierten Universitäten tätig. Die Zeitschrift ist im Katalog eines großen kommerziellen Verlags gelistet. Der Artikel von Phys.org wird seinen Weg in andere Medien finden. Nichts davon ist illegal. Aber all das wird bezahlt, und bezahlt wird eine Reihe von Arbeiten, deren Funktion sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht von Aktivismus unterscheiden lässt. Der Leitartikel gibt nicht vor, etwas anderes zu sein; er ruft die Leser, insbesondere Männer, dazu auf, „unseren Teil“ zu einem bestimmten politischen Programm beizutragen.
Es ist berechtigt zu fragen, was die Wissenschaftspresse tut, wenn sie dieses Programm als „neue Forschung“ präsentiert. Es ist berechtigt zu fragen, was Universitäten tun, wenn sie es als solches finanzieren und fördern. Und es ist berechtigt zu fragen, ob der Klimadiskussion mit einer Literatur gedient ist, in der die eine Hälfte der Menschheit als Ursache und die andere Hälfte als Heilmittel dargestellt wird.
Der vollständige Leitartikel ist frei zugänglich. Wer den Verdacht hegt, dass diese Darstellung zu streng ist, sollte ihn selbst lesen.
Dieser Artikel erschien zuerst auf wattsupwiththat.com am 12. Mai 2026
Übersetzt von Christian Freuer
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