“Ozeanversauerung”– Eine weitere Panikmache, die einfach nicht verschwinden will
Die ganze Sache mit der „Ozeanversauerung“ ist nichts anderes als der Versuch, mit der Vorstellung zu spielen, dass die Menschen das Wort „Säure“ beängstigend finden, sagt Francis Menton.
Die Ozeanversauerung stellt einen in gewisser Weise einzigartigen Aspekt der Klimapanik dar. Sie unterscheidet sich von anderen Aspekten dieser Panik dadurch, dass sie nicht auf der Erwärmung der Atmosphäre als Ursache der vermeintlich bedrohlichen Folgen beruht. Stattdessen geht man bei der Ozeanversauerung davon aus, dass der erhöhte CO₂-Gehalt in der Atmosphäre (durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe) zu einer erhöhten CO₂-Konzentration im Meerwasser führt. Dies wiederum senkt den pH-Wert des Meerwassers, was dann die vermeintlich bedrohlichen Folgen verursacht. Somit kann die Ozeanversauerung theoretisch auch dann als Panikmache dienen, wenn sich die Atmosphäre trotz des steigenden CO₂-Gehalts nicht in dem von den Klimamodellen der Befürworter vorhergesagten Ausmaß erwärmt.
Doch die Behauptung der „Ozeanversauerung“ hat ihre Schwächen. Für Apokalypse-Befürworter ist es problematisch, dass die Ozeane (leicht) alkalisch und nicht sauer sind und dass selbst ein starker Anstieg des CO₂-Gehalts in der Atmosphäre nur geringe pH-Wert-Änderungen verursacht. Manche würden die Änderung sogar als „geringfügig“ bezeichnen. Selbst im schlimmsten Fall reicht die pH-Wert-Änderung bei Weitem nicht aus, um den pH-Wert auf neutral, geschweige denn auf sauer, zu senken. Aus diesem Grund setze ich den Begriff „Versauerung“ in Anführungszeichen.
Beängstigend
Wie können Aktivisten die Ozeanversauerung so angsteinflößend darstellen, dass viele Menschen fossile Brennstoffe ablehnen oder fürchten? Nun, vielleicht könnten sie behaupten, ein etwas niedrigerer pH-Wert würde alle tropischen Fische töten. Gut, aber die Behauptung dürfte nicht lauten, dass ein leicht niedrigerer pH-Wert die Fische direkt tötet – das würde niemand glauben. Es müsste einen anderen Mechanismus geben.
Vor einigen Jahren veröffentlichte ich (Mai 2021) einen Beitrag über die Arbeit zweier australischer Forscher, die eine These aufgestellt hatten, die genau dieser Beschreibung entsprach. Es handelte sich um Philip Munday und Danielle Dixson von der James Cook University in Queensland. Über mehrere Jahre hinweg und in rund 22 Fachartikeln hatten die beiden (sowie ihre Koautoren) die These aufgestellt, dass ein niedrigerer pH-Wert des Ozeans tropische Fische in den Wahnsinn treiben oder zumindest zu „gravierenden Verhaltens- und Sinnesstörungen“ führen würde, die ihr Überleben gefährden. Wie unschwer zu erkennen ist, untermauerte diese These die Anti-Fossil-Brennstoff-Argumentation erheblich, unabhängig von jeglichen Behauptungen zum Klimawandel, und verhalf den Artikeln dadurch zu großer Aufmerksamkeit und den Autoren zu viel Anerkennung.
Doch es war zu schön, um wahr zu sein. Anlass für meinen Beitrag vom Mai 2021 war eine 2020 in Nature erschienene Arbeit von Timothy Clark et al. , die über die Ergebnisse von Versuchen zur Reproduktion der Munday/Dixson-Ergebnisse berichtete. Auszug aus der Zusammenfassung:
Wir zeigen hier umfassend und transparent, dass – im Gegensatz zu früheren Studien – die Ozeanversauerung am Ende des Jahrhunderts nur vernachlässigbare Auswirkungen auf wichtige Verhaltensweisen von Korallenriff-Fischen hat. Dazu gehören die Vermeidung chemischer Signale von Fressfeinden, das Aktivitätsniveau der Fische und die Lateralisierung des Verhaltens (Präferenz für Links- oder Rechtsdrehungen). Mithilfe von Datensimulationen zeigen wir zudem, dass die in mehreren früheren Studien berichteten großen Effektstärken und geringen Varianzen innerhalb der Gruppen höchst unwahrscheinlich sind. Zusammenfassend deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass die berichteten Auswirkungen der Ozeanversauerung auf das Verhalten von Korallenriff-Fischen nicht reproduzierbar sind. Dies legt nahe, dass Verhaltensänderungen für Korallenriff-Fische in CO₂-reichen Ozeanen keine gravierende Folge sein werden.
Die Zusammenfassung enthält zwar nicht das Wort „Betrug“, der Artikel selbst lässt jedoch stark auf Datenmanipulation schließen. Angesichts des Schadens, den der Artikel einem wichtigen Grundpfeiler der Anti-Fossil-Brennstoff-Debatte zufügte, war die Veröffentlichung dieses Beitrags in Nature äußerst ungewöhnlich.
Erzählung
Und nun, fünf Jahre später, ist die Geschichte von der „Ozeanversauerung“ als Grund, fossile Brennstoffe zu hassen, noch stichhaltig?
In den letzten Monaten erschienen zahlreiche Artikel, die sowohl Argumente für als auch gegen die Annahme, dass die Ozeanversauerung ein bedeutendes Umweltproblem darstellt, darlegten. Für die These, dass die Ozeanversauerung tatsächlich gravierend und beängstigend ist, möchte ich einen Artikel von Dana Nuccitelli hervorheben, der im März in der Zeitschrift „The Invading Sea“ unter dem Titel „Die Auswirkungen der Verschmutzung durch fossile Brennstoffe auf die Ozeane verursachen enorme Kosten“ erschienen ist. Für die These, dass die Ozeanversauerung stark übertrieben dargestellt wird, möchte ich eine Studie von van Wijngaarden, Ridd, Cornell und Happer vom 13. Mai 2026 mit dem Titel „Säurebildung von Wasser durch CO₂“ anführen.
Nuccitelli schreibt regelmäßig für Yale Climate Connections (ein weiteres Veilchen für Yale). In Nuccitellis Artikel scheint er den Versuch aufgegeben zu haben, zu behaupten, dass der sich verändernde pH-Wert das Sterben tropischer Fische verursacht. Stattdessen betont er hier die Auswirkungen auf Korallen. Er behauptet, dass die „Versauerung“ Korallen abtötet, kann das Korallensterben aber nicht allein auf den pH-Wert zurückführen und bezieht daher auch die Erwärmung mit ein.
Floridas Barriereriff ist in Gefahr – und das hat Folgen. Seit einem Jahrzehnt leidet das Riff unter einem massiven Ausbruch der Steinkorallenkrankheit. Die wahrscheinliche Ursache: Stress durch den Klimawandel und die Versauerung der Gewässer, beides Folgen der Verbrennung fossiler Brennstoffe… Die menschliche Verbrennung fossiler Brennstoffe schädigt die Ozeane der Erde durch die gleichzeitige Erwärmung und Versauerung der Gewässer, die durch die Aufnahme von Kohlendioxid ins Meer verursacht wird.
Es werden keine quantitativen Angaben zum Ausmaß des Korallenverlusts gemacht, falls überhaupt einer vorliegt. Als „wahrscheinliche Ursache“ der Krankheit wird eine Kombination aus „Erwärmung“ und „Versauerung“ der Gewässer genannt. Woher weiß er das? Wie stark trägt jeder Faktor dazu bei? Gibt es dafür Beweise? Falls ja, führt Nuccitelli sie nicht an. Ich vermute, für seine Leserschaft ist das selbstverständlich.
Kosten
Nachdem Nuccitelli die „wahrscheinliche Ursache“ dargelegt hat, berechnet er die Kosten – nicht die Kosten des möglicherweise verlorenen Korallenriffanteils, sondern die Kosten der gesamten Tourismusindustrie, die mit den Korallenriffen zusammenhängt:
Der finanzielle Schaden durch den Verlust des Riffs ist enorm. Floridas Korallenriffe generieren schätzungsweise jährlich über eine Milliarde US-Dollar an Tourismuseinnahmen, leisten einen Hochwasserschutz im Wert von 650 Millionen US-Dollar und sichern über 70‘000 Arbeitsplätze. Darüber hinaus schützen Korallenriffe Menschen und Eigentum, indem sie bis zu 97 % der Wellenenergie absorbieren und so Sturmfluten abmildern.
Nuccitelli stützt sich anschließend auf eine kürzlich in Nature Climate Change (Januar 2026) veröffentlichte Studie, die angeblich ein neues Maß für die „sozialen Kosten von Kohlenstoff“ berechnet. Diese Studie basiert auf der Annahme, dass die globale Erwärmung die Produktivität der Ozeane erheblich verringern wird – nicht nur für Korallen, sondern für alles Leben. Die Studie des NCC scheint die Versauerung der Ozeane jedoch völlig außer acht zu lassen.
Hier ist meine Lieblingsgrafik aus Nuccitellis Artikel zum Thema „Versauerung“:
Der pH-Wert des Ozeans scheint rapide zu sinken! Fällt Ihnen etwas Ungewöhnliches auf? Die gesamte vertikale Achse des Diagramms reicht von pH 8,03 bis 8,11 – also weniger als 0,1 pH-Einheiten. Die pH-Skala selbst reicht von 0 bis 14. Würde man diese Linie mit einer durchgehenden vertikalen Achse von 0 bis 14 zeichnen, wäre sie von einer horizontalen Linie nicht zu unterscheiden.
Peter Ridd
Wenn Sie sich für die Frage interessieren, ob die Bestände von Meereskorallen weltweit zunehmen oder abnehmen, kann ich Ihnen einige Artikel von Peter Ridd empfehlen. Ridd ist jemand, der Korallenriffe vor Ort erforscht (er war, wie Munday und Dixson, an der James Cook University tätig, bis er wegen angeblicher Ketzerei entlassen wurde). Er ist auch Mitautor der weiter unten besprochenen Studie von van Wijngaarden et al. Hier finden Sie einen Artikel von Ridd aus dem Jahr 2023 für die Global Warming Policy Foundation mit dem Titel „Korallen in einer sich erwärmenden Welt: Gründe für Optimismus“ sowie einen weiteren Artikel vom August 2025 des „Institute of Public Affairs“ mit dem Titel „Wissenschaftliche Gruppendenken zappelt am Zustand des Great Barrier Reef“. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es zahlreiche Belege dafür gibt, dass Korallenriffe weltweit gut gedeihen (nicht jedes einzelne und nicht jedes Jahr, aber insgesamt betrachtet), und keinerlei Anzeichen für einen allgemeinen Rückgang. Angesichts dieser Beweislage: Welcher Beweis gibt es dafür, dass die „Versauerung“ Korallen schädigt? Die Antwort lautet: keiner.
Im Gegensatz zu Nuccitellis faktenloser Lobbyarbeit ist die Studie von van Wijngaarden et al. eine seriöse wissenschaftliche Arbeit. Sie erscheint auf der Website der CO2 Coalition und nicht in einer der renommierten Fachzeitschriften. Ich schließe daraus, dass die Autoren, die tatsächlich zu den führenden Wissenschaftlern auf diesem Gebiet zählen, sich dem Gruppenzwang dieser renommierten Magazine widersetzt haben.
Die Abhandlung ist lang (55 Seiten) und größtenteils technisch. Im Kern geht es aber darum, dass es absurd ist anzunehmen, der leichte Rückgang des pH-Werts im Ozean durch den Anstieg des atmosphärischen CO₂ könne irgendwelche nennenswerten Probleme für das Meeresleben verursachen. In diesem Blogbeitrag gebe ich nur ein kurzes Zitat wieder. Aus der Zusammenfassung:
Die Grundlagen der anorganischen Chemie zeigen, dass steigende CO₂-Konzentrationen in der Atmosphäre keine schädlichen Auswirkungen auf Organismen in natürlichen Gewässern der Erde haben [1], sondern ihnen sogar nützen können. Alkalinität und gelöstes CO₂ verleihen den meisten natürlichen Gewässern eine hohe Pufferkapazität und minimieren pH-Wert-Änderungen durch äußere Einflüsse. Beispielsweise würde eine Verdopplung der atmosphärischen CO₂-Konzentration von 430 ppm auf 860 ppm den pH-Wert von repräsentativem Meerwasser bei einer Temperatur von 25 °C von pH = 8,18 auf pH = 7,93 senken. Diese Änderung ist vergleichbar mit den tageszeitlichen pH-Wert-Schwankungen in biologisch produktiven Oberflächengewässern, die durch die photosynthetische Fixierung von gelöstem anorganischem Kohlenstoff tagsüber und die Atmung nachts bedingt sind. Sie ist zudem geringer als die pH-Wert-Schwankungen mit Breitengrad, Längengrad und Tiefe in den Ozeanen.
Kernaussage
Ein entscheidender Punkt ist, dass der pH-Wert des Ozeans nicht weltweit zu einem bestimmten Zeitpunkt konstant ist. Vielmehr schwankt er in kleinen Bereichen, abhängig von Breitengrad, Längengrad, Tiefe und sogar der Tageszeit. Das bedeutet, dass die Meereslebewesen sich bereits an diese Schwankungen anpassen müssen.
Ein Großteil der Arbeit befasst sich mit den chemischen Prozessen, die den pH-Wert des Ozeans beeinflussen könnten, wenn der atmosphärische CO₂-Gehalt von derzeit 430 ppm auf bis zu einer Verdopplung auf 860 ppm ansteigt. Es werden zwar mathematische Berechnungen durchgeführt, die zugrundeliegenden chemischen Prinzipien sind jedoch allgemein bekannt. Die Schlussfolgerung, wie im Abstract dargelegt, lautet, dass der durchschnittliche pH-Wert bis auf 7,93 sinken könnte – was immer noch deutlich im alkalischen Bereich liegt (neutral = 7, alkalisch über 7 und sauer unter 7).
Sollte jemand Forschungsergebnisse kennen, die belegen, dass pH-Wert-Schwankungen in den genannten Bereichen eine ernsthafte Bedrohung für das Meeresleben darstellen, würde ich mich sehr über einen Hinweis freuen. Bis dahin gehe ich davon aus, dass die ganze Diskussion um die „Ozeanversauerung“ nichts weiter ist als der Versuch, die Angst der Menschen vor dem Wort „Säure“ auszunutzen.
Dieser Artikel wurde erstmals am 26. Mai 2026 auf Manhattan Contrarian veröffentlicht.

Francis Menton
Zum 31. Dezember 2015 ging Francis Menton nach über 40 Jahren (davon 31 Jahre als Partner) bei der Anwaltskanzlei Willkie Farr & Gallagher LLP in den Ruhestand. Danach konnte er sich verstärkt seinem Blog „Manhattan Contrarian“ widmen. Er schreibt provokante Beiträge aus dem New Yorker West Village, wo die Bewohner laut Menton unter einer „erdrückenden politischen und ideologischen Orthodoxie leiden“. Sie können Menton auf Twitter folgen, indem Sie auf diesen Link klicken.
Übersetzung: Eric Vieira
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