Wie groß ist die Bedrohung durch schmelzende Eisschilde und Gletscher?
Die jüngste tragische Sturzflut im Himalaya (deren Ursache ein Erdrutsch des darunterliegenden Gesteins war) hat eine wichtige Frage in den Vordergrund gerückt, sagt Ralph Alexander. Wie sehr müssen wir uns Sorgen um das schmelzende Eis machen, sowohl von Gletschern als auch von Eisschilden?
Gletscher gibt es überall auf der Erde. Ihre Zahl beträgt über 200 000, die riesigen Eisschilde der Antarktis und Grönlands nicht mitgerechnet. Wenig überraschend ziehen sich die meisten Gletscher mit der Erderwärmung zurück. Weniger bekannt ist jedoch, dass dieser Rückgang bereits Anfang des 19. Jahrhunderts begann, als die globalen Temperaturen nach der Kleinen Eiszeit wieder anstiegen – lange bevor die menschlichen CO₂-Emissionen eine bedeutende Rolle spielten. Dies wird in der folgenden Abbildung veranschaulicht.
Man schätzt, dass das vollständige Abschmelzen aller Gletscher und Eisschilde der Erde mehrere tausend Jahre dauern wird. Kleinere Gebirgsgletscher könnten jedoch bereits in diesem Jahrhundert verschwinden. Allerdings ziehen sich nicht alle Gletscher zurück. Etwa 10 % rücken sogar vor oder wechseln periodisch zwischen Vorrücken und Zurückweichen. Jüngste Untersuchungen haben beispielsweise vorrückende Gletscher in Alaska, Norwegen und der Schweiz nachgewiesen.
Meeresspiegel
Wie Eisschilde tragen auch schmelzende Gletscher – darunter die in der Antarktis und in Grönland – zum Anstieg des Meeresspiegels bei. Derzeit beträgt dieser Anteil 25–30 % des beobachteten globalen Meeresspiegelanstiegs, was einem jährlichen Anstieg von etwa 1 mm entspricht (siehe nächste Abbildung). Die Massenänderung wird in Milliarden Tonnen (Gigatonnen, Gt) gemessen.
Für Gebirgsgletscher stellt jedoch die durch schmelzendes Eis verursachte Sturzflut eine größere Bedrohung dar als ihr Beitrag zum Anstieg des Meeresspiegels, insbesondere bei Gletschern, die sich nicht in abgelegenen Gebieten, sondern in der Nähe menschlicher Siedlungen befinden.
Trotz der Behauptungen von Klimaalarmisten, die verheerende Flut in Nepal und Tibet sei wegen des, durch die globale Erwärmung bedingten, Gletschereinbruchs verursacht worden. Wissenschaftler stellten bald fest, dass die Ursache des Katastrophenereignisses ein Erdrutsch des darunterliegenden Gesteins war. Dabei brach ein massives Stück des Gletschers ab und stürzte etwa zwei Kilometer tief in einen Fluss. Die Eisbrocken nahmen Gesteinsbrocken, Sedimente und Flusswasser mit, während sie mit einer Geschwindigkeit von fast 150 km/h flussabwärts rasten.
Ungeachtet der Ursache war die Flut verheerend, sowohl was die Zahl der Todesopfer als auch die Sachschäden betrifft. Viele Kommentatoren wiesen jedoch darauf hin, dass die Flut weniger tragisch verlaufen wäre, wenn ein Frühwarnsystem vorhanden gewesen wäre, das den Menschen ermöglicht hätte, sich in höher gelegene Gebiete zu begeben oder zu evakuieren – wie es in anderen, von Naturkatastrophen betroffenen Gebieten der Welt üblich ist. Verbesserungen in der Planung und im Bauwesen zum Schutz von Gebäuden hätten die Sachschäden möglicherweise ebenfalls minimieren können.
Grönland
Der Massenverlust der Gletscher überwiegt derzeit den der Eisschilde der Antarktis und Grönlands, die zusammen etwa 99 % des gesamten Süßwassers der Erde speichern. Die folgende Abbildung zeigt die jährliche Rate des Eismassenverlusts aus allen drei Quellen zwischen 2000 und 2019.
Grönlands Eisschild enthält nur etwa 10 % der Eismenge der Antarktis. Er rückt stärker in den Fokus, weil er schneller schmilzt und dadurch stärker zum Meeresspiegelanstieg beigetragen hat. Die Schmelzrate ist heute jedoch nicht höher als vor 90 Jahren und hat sich in den letzten Jahren sogar verlangsamt. Die nächste Abbildung zeigt die Veränderung der Gesamtmasse des grönländischen Eisschildes seit 1840. Der um das Jahr 2000 einsetzende Anstieg des Eisverlusts hat sich aufgrund überdurchschnittlicher Schneefälle im Winter umgekehrt; die historischen Daten weisen ähnliche Schwankungen auf.
Ähnlich wie Gletscher begann auch das grönländische Eis um 1900 zu schmelzen, lange vor dem Einsetzen der sogenannten menschengemachten globalen Erwärmung. Sein Beitrag zum Meeresspiegelanstieg wird in der folgenden Abbildung veranschaulicht, die die kumulative Eismassenänderung von 1972 bis 2025 zeigt. Der durch das schmelzende grönländische Eis verursachte Meeresspiegelanstieg beträgt in diesem Zeitraum durchschnittlich 16/53 oder 0,3 mm pro Jahr; die aktuelle Anstiegsrate liegt bei etwa 0,4 mm pro Jahr.
Der Beitrag des antarktischen Eisschildes zum Meeresspiegelanstieg wird in der nächsten Abbildung veranschaulicht, die die kumulative Eismassenänderung von 1979 bis 2024 zeigt. Der entsprechende durchschnittliche jährliche Meeresspiegelanstieg in diesem Zeitraum durch das Schmelzen des antarktischen Eises beträgt 13,5/45 oder 0,3 mm, genau so viel, wie durch den grönländischen Eisschild; auch hier beträgt die aktuelle Anstiegsrate etwa 0,4 mm pro Jahr.
Westantarktis
Der größte Teil des antarktischen Eisverlusts stammt aus der Westantarktis, wo das Abschmelzen der Gletscher erheblich ist und teilweise durch aktive Vulkane unter dem Kontinent verursacht wird. Die folgende Abbildung zeigt die Veränderungen der gesamten antarktischen Eismasse zwischen 2002 und 2025. Man erkennt, dass sich die Verlustrate in den zwei Jahrzehnten nach 2002 zwar beschleunigte, sich aber seit 2021 stabilisiert zu haben scheint.
Der Gesamtbeitrag des schmelzenden Eises von Gletschern und Eisschilden zum Meeresspiegelanstieg beträgt etwa 1,8 mm pro Jahr. Die verbleibenden 4 mm des derzeitigen durchschnittlichen Anstiegs pro Jahr sind auf die Ausdehnung des Meerwassers bei Erwärmung, das Absinken des Meeresbodens unter dem Gewicht des zusätzlichen Schmelzwassers und die Landabsenkung infolge der Grundwasserverknappung oder der Landhebung nach dem Abschmelzen des mächtigen schweren Eisschildes der letzten Eiszeit zurückzuführen.
Übersetzung: Eric Vieira
Dieser Artikel wurde erstmals am 14. September 2026 auf ScienceUnderAttack veröffentlicht.

Ralph B. Alexander
Ralph B. Alexander, ein Wissenschaftsjournalist, der die Wissenschaft über politische Korrektheit stellt, hat mehrere aktuelle Berichte über Wetterextreme und die globale Erwärmung verfasst. Er ist außerdem Autor von „Science Under Attack: The Age of Unreason“ und „Global Warming False Alarm“. Mit einem Doktortitel in Physik von der Universität Oxford hat er zahlreiche wissenschaftliche Forschungsarbeiten und Berichte zu komplexen technischen Fragestellungen geschrieben. Dr. Alexander war als Forscher in Laboren in Europa und Australien tätig, lehrte an der Wayne State University in Detroit, war Mitbegründer eines innovativen Materialunternehmens und arbeitete als Marktanalyst für umweltfreundliche Materialien für eine kleine Unternehmensberatung. Er wuchs in Perth, Westaustralien, auf und lebt derzeit in Kalifornien.
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