Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair: „Netto-Null-Ziele aufgeben und sich Trump annähern“
In einem vernichtenden, 5.700 Wörter umfassenden Angriff auf den amtierenden Premierminister forderte Tony Blair die britische Regierung auf, das Netto-Null-Ziel aufzugeben und die Beziehungen zu Donald Trump zu verbessern.
Tony Blair löste Großbritanniens Netto-Null-Desaster mit der Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls im Jahr 1997 aus. Jetzt will er den Neustartknopf drücken.
Aus dem Guardian, von Jessica Elgot, stellvertretende politische Redakteurin, 26. Mai 2026 :
Tony Blair fordert Starmer und seine Rivalen auf: Gebt das Netto-Null-Ziel auf und rückt näher an Trump heran.
In einer höchst ungewöhnlichen Intervention erklärte der ehemalige Premierminister, die „nahezu grenzenlose Fähigkeit seiner Partei zur Selbsttäuschung“ mache eine Niederlage bei der nächsten Wahl wahrscheinlich.
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Tony Blair hat Keir Starmer, Andy Burnham und Wes Streeting vorgeworfen, die Zukunft der Labour-Partei zu gefährden, indem sie die politische Mitte vernachlässigen. Er warnte, dass die Partei aufgrund ihrer „nahezu unendlichen Fähigkeit zur Selbsttäuschung“ die nächste Wahl wahrscheinlich verlieren werde.
In einem vernichtenden, 5.700 Wörter umfassenden Angriff auf den Premierminister und seine potenziellen Nachfolger, der am Dienstagabend veröffentlicht wurde, forderte Blair die Regierung auf, die Sozialausgaben zu kürzen, die Beschränkungen für Öl und Gas aufzugeben und die Beziehungen zu Donald Trump zu verbessern.
Sein Essay, ein für einen ehemaligen Labour-Premierminister höchst ungewöhnlicher Eingriff, dürfte parteiweit heftige Reaktionen hervorrufen, da Blairs Erbe nach wie vor stark umstritten ist. Am Dienstag warf ihm eine hochrangige Quelle vor, sozialdemokratische Werte aufgegeben zu haben, um eine Agenda zu verfolgen, die „keine Antworten“ biete.
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Ein hochrangiger Labour-Insider sagte: „Tony war offensichtlich seit Jahrzehnten nicht mehr in der Nähe eines Briten aus der Arbeiterklasse, sondern hat sich ganz offensichtlich mit den Tech-Fantasisten herumgetrieben.“
„Aufgewärmte Blairismus bietet absolut keine Antworten auf unseren nationalen Niedergang, seit die Geier losgelassen wurden. Es gab eine Zeit, da hätte er für sozialdemokratische Werte eingestanden, aber das zeigt, wie tief er gesunken ist.“
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Weiterlesen: https://www.theguardian.com/politics/2026/may/26/tony-blair-labour-abandon-net-zero-support-donald-trump
Ich denke, man kann getrost sagen, dass Blair einer meiner unbeliebtesten Politiker ist. Aber er hat nicht alles falsch verstanden; in seiner Unterstützung für das transatlantische Bündnis und die USA steht er auf einer Stufe mit Margaret Thatcher.
Blairs jüngste Kritik ist schonungslos. Aus seinem Essay auf der Website des „Tony Blair Institute for Global Change“:
Das Hauptproblem der Regierung ist nicht Keirs Persönlichkeit. Auch nicht das Versäumnis, „unsere Erfolge“ zu kommunizieren. Oder die Notwendigkeit, die „Werte“ der Labour-Partei stärker zu betonen.
Das liegt daran, dass wir keinen ausgearbeiteten, schlüssigen Plan für das Land in einer sich schnell verändernden Welt haben und uns in der falschen politischen Position befinden, von der aus wir einen solchen Plan entwickeln und eine zweite Amtszeit gewinnen können.
Die Regierung agiert aus einer im Wesentlichen traditionellen, gemäßigt linken Position der Labour-Partei heraus und befindet sich fest in der Komfortzone der Partei.
Ob es einen Führungswechsel gibt oder nicht, ist irrelevant, wenn nicht eine politische Debatte angestoßen wird. Setzen wir wirklich Priorität auf Wirtschaftswachstum – unerlässlich nicht nur für Wohlstand, sondern auch für soziale Gerechtigkeit, wenn wir eine Reihe von Maßnahmen umsetzen, die es einschränken könnten? Braucht unsere Wirtschaft jetzt das Ziel sauberer oder billiger Energie? Wie rechtfertigen wir weitere Sozialausgaben, wenn diese bereits explodieren, die Steuern hoch sind und weiter steigen und wir angeblich die Verteidigungsausgaben erhöhen müssen, um uns auf einen möglichen Krieg vorzubereiten?
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Die Regierung sollte zumindest versuchen, die Auswirkungen der vorgenommenen Änderungen zu begrenzen und, wie wir stets argumentiert haben, jene Teile der Netto-Null-Agenda streichen, die saubere Energie gegenüber billigerer Energie priorisieren; und von nun an sicherstellen, dass den Worten zum Wachstum auch Taten folgen.
Am wichtigsten ist jedoch die Umstrukturierung der gesamten Regierung, um die technologische Revolution des 21. Jahrhunderts optimal zu nutzen. Alle Regierungen werden in absehbarer Zukunft im Zeitalter der KI regieren. Diejenigen, die sie verstehen, werden Wohlstand für ihre Länder erleben; diejenigen, die sie nicht verstehen, werden scheitern. Dies ist die zentrale Herausforderung für alle Sektoren, einschließlich Sozialwesen und Gesundheitswesen (digitale Identität ist nur ein, wenn auch entscheidender, Teil davon). Sie wird die Zukunft der britischen Wirtschaft prägen, die ironischerweise eine starke technologische Position innehat, die wir aber zu verspielen drohen.
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Ich stimme vielem in Blairs öffentlicher Stellungnahme nicht zu – er hält den Austritt aus der Europäischen Union immer noch für einen Fehler. Meiner Meinung nach ist Blair nach wie vor ein autoritärer Verfechter eines starken Staates, der trotz allem an ein langfristiges Klimaziel glaubt.
Doch Blair hatte mit seiner Kritik auch in vielen Punkten Recht. Er erkannte KI zutreffend als die große Herausforderung des 21. Jahrhunderts und plädierte eloquent für bezahlbare Energie statt für absolute grüne Reinheit sowie für Reformen, die Hoffnung und Wirtschaftswachstum statt stetig steigender Sozialausgaben schaffen.
Hoffen wir, dass Blairs Erben in der Labour-Partei zumindest einige seiner Aufrufe zum Handeln beherzigen.
Dieser Artikel wurde erstmals am 28. Mai 2026 auf wattsupwiththat.com veröffentlicht.
Übersetzung: Eric Vieira
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