Dunkelflaute: Deutsche Strompreise steigen innerhalb von vier Tagen von 13 € auf 315 €

Ein Land (Deutschland), das an einem windigen Wochenende mit erneuerbaren Energien auskommen kann, muss dennoch genügend Kohle und Gas vorrätig halten, um den Großteil der Last in der darauffolgenden Woche zu decken, was bedeutet, dass man für zwei Stromsysteme bezahlen muss, sagt Charles Rotter.

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Collapsed and severely damaged wind turbine in Germany, illustrating an article about the Dunkelflaute and soaring electricity prices.

Deutsche Windkraftanlage. (Quelle: Shutterstock)

Charles Rotter
Datum: 5. November 2026

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Die Berliner Zeitung berichtet in einem Artikel von Flynn Jacobs, der sich auf Bloomberg stützt, über die erste Dunkelflaute der Heizperiode. Dunkelflaute ist das deutsche Wort für die dunkle, windstille Jahreszeit, in der Windkraftanlagen und Solaranlagen wenig zu tun haben und alle anderen die Stromrechnung bezahlen müssen. Aus dem Artikel, in meiner Übersetzung:

„Der deutsche Großhandelspreis für Strom ist innerhalb weniger Tage von 13 auf über 300 Euro pro Megawattstunde gestiegen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Daten der Strombörse Epex Spot. Der Day-Ahead-Preis für die Lieferung am Donnerstag liegt damit etwa doppelt so hoch wie der bisherige Oktober-Durchschnitt. Zeitweise werden abends sogar Preise von über 500 Euro erreicht. Noch am Sonntag wurde Strom zeitweise für nur 13 Euro gehandelt.“

https://www.berliner-zeitung.de/article/dunkelflaute-rollt-ueber-deutschland-strompreis-springt-von-13-auf-ueber-300-euro-10543903

Die Börsendaten stimmen im Prinzip, mit einer kleinen Ungenauigkeit. Die Day-Ahead-Preise für die deutsch-luxemburgische Zone, veröffentlicht von Energy-Charts auf Basis von Daten der Bundesnetzagentur, lagen am Sonntag, dem 25. Oktober, im Durchschnitt bei 13,12 € pro Megawattstunde. Dieser Wert von 13 € stellte den Tagesdurchschnitt dar, nicht den Tiefstwert. In jedem 15-Minuten-Intervall zwischen 2 und 15 Uhr wurden die Preise bei drei Cent oder weniger gehandelt, die meisten sogar bei null. Somit war 13 Stunden lang so viel Wind- und Solarstrom auf dem Markt, dass er praktisch wertlos war und kaum Abnehmer für die spätere Nutzung fand. Energy-Charts zählt 34,5 Gigawattstunden installierte Batteriespeicherkapazität in ganz Deutschland, Heimspeicher eingeschlossen. Diese hätten den durchschnittlichen Strombedarf des Landes während der darauffolgenden Nachfrageflaute für etwa 40 Minuten decken können. Am Donnerstag, dem 29. Oktober, lag der Durchschnittswert bei 314,85 €, etwa doppelt so hoch wie der Durchschnittswert von 158 € für den Zeitraum vom 1. bis 28. Oktober. In jedem 15-Minuten-Zeitfenster von 17:00 bis 18:15 Uhr wurden über 500 € erzielt, mit einem Höchstwert von 574,28 €.

Der Wind hatte sich verändert

Was sich geändert hatte, war der Wind. Aus einem Bericht von Bloomberg, der von der Luxembourg Times wiedergegeben wurde:

„Die Windstromerzeugung in Deutschland, einem der größten Produzenten erneuerbarer Energien in der Region, wird laut Bloomberg-Prognosen voraussichtlich auch nächste Woche niedrig bleiben. Die Tagesdurchschnittswerte werden voraussichtlich unter 7 Gigawatt liegen. Das ist weniger als die Hälfte des bisherigen Jahresdurchschnitts.“

https://www.luxtimes.lu/businessandfinance/europes-first-winter-dunkelflaute-sends-power-prices-soaring/163754346.html

Die Prognose hat sich bewahrheitet. Die Windenergieerzeugung an Land und auf See lag vom 29. Oktober bis zum 1. November im Durchschnitt zwischen 3,9 und 4,8 Gigawatt pro Tag, verglichen mit den bisher für 2026 prognostizierten rund 15,4 Gigawatt, wie aus den öffentlich zugänglichen Nettoerzeugungszahlen von Energy-Charts hervorgeht. Am 24. und 25. Oktober hatte der Durchschnitt bei 46,5 bzw. 44,5 Gigawatt gelegen.

Bjørn Lomborg stellte die beiden Perioden am 2. November nebeneinander:

Neuer Record

Die Zahlen stimmen. Der Rekordwert von 115 % wurde am 28. Oktober von Energy-Charts, der Datenseite des Fraunhofer ISE, und nicht von Aktivisten bekanntgegeben. Er bezog sich auf den 24. Oktober, neun Tage bevor Lomborg Folgendes veröffentlichte:

„Neuer Rekord! Der tägliche Anteil erneuerbarer Energien an der Last (=Stromverbrauch + Netzverluste) erreichte am 24.10.2026 114,8 %. Der Stromverbrauch konnte im Durchschnitt zu 100 % durch erneuerbare Energien gedeckt werden, und zusätzlich wurden 14,8 % exportiert.“

https://x.com/energy_charts_d/status/2115336843386392856

Energy-Charts veröffentlichte seinen Rekord am Morgen des 28. Oktober, als der Day-Ahead-Markt den Tag bereits mit 249 € eingepreist hatte. Zwei Tage später, als die Windenergie unter 5 Gigawatt lag und der Preis bei 268,62 € betrug, teilte derselbe Account einem Zweifler auf X mit:

„Die Energiewende ist eine Erfolgsgeschichte, und die ganze Welt setzt jetzt auf Solar- und Windenergie. Wie kommen Sie auf die Idee, dass sie gescheitert ist?“

https://x.com/energy_charts_d/status/2116134553614229664

Der durchschnittliche Preis am Rekordtag lag bei 30,12 €. Der tägliche Anteil erneuerbarer Energien, der neben Wind- und Solarenergie auch Biomasse und Wasserkraft umfasst, betrug vom 29. Oktober bis zum 1. November 29,5 %, 30,0 %, 29,2 % und 30,2 %, im Durchschnitt 29,7 %. Der Day-Ahead-Preis lag in diesen vier Tagen im Durchschnitt bei 272,70 €, dem Neunfachen des Preises vom 24. Oktober.

Chart based on Energy-Charts data comparing Germany's daily renewable electricity share with wholesale power prices during the October 2026 Dunkelflaute.

Diagramm basierend auf Daten von Energy-Charts (Fraunhofer ISE)

Betrachten Sie die beiden Diagramme zusammen. Als die grünen Balken über 100 % stiegen, verschwanden die roten fast vollständig, und als die grünen auf 30 % fielen, stiegen die roten an die Spitze des Diagramms.

Die Berliner Zeitung schreibt, die Lücke müsse „hauptsächlich durch Gaskraftwerke geschlossen werden“. Gas trug maßgeblich dazu bei: vom 29. Oktober bis 1. November wurden täglich rund 12 Gigawatt erzeugt, verglichen mit 1,7 bis 1,8 Gigawatt am 24. und 25. Oktober. Braunkohle lieferte ähnlich viel Strom (12 bis 13 Gigawatt täglich gegenüber 2,3 und 2,5 Gigawatt), Steinkohle steuerte weitere rund 4 Gigawatt bei. Laut den Erzeugungsdaten von Energy-Charts übertraf Braunkohle an allen vier Tagen die Gasproduktion. Dies ist das Land, das am 15. April 2023 seine letzten drei Kernreaktoren abgeschaltet hat. Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2 hatten eine Bruttoleistung von insgesamt 4.291 Megawatt – etwa so viel wie alle Windkraftanlagen in Deutschland zusammen vom 29. Oktober bis 1. November erzeugten, und dafür brauchten sie keine Brise.

Gasanlagen

Gaskraftwerke bestimmen den Strompreis üblicherweise zu Zeiten höchster Nachfrage, wie Reuters berichtet, und Gas ist in diesem Herbst teuer. Am Mittwoch, dem 28. Oktober, wurde bei dem niederländischen TTF-Kontrakt für den nächsten Monat erstmals seit Dezember 2022 die Marke von 100 Euro pro Megawattstunde überschritten. Euronews merkt an, dass er vor Beginn des Iran-Krieges Ende Februar bei rund 32 Euro lag. S&P Global meldete am selben Tag, dass die EU-Gasspeicher am 26. Oktober zu 74,9 % gefüllt waren – der niedrigste Wert für diese Jahreszeit seit Beginn der Aufzeichnungen von Gas Infrastructure Europe im Jahr 2011.

Also, ein Land, das an einem windigen Wochenende mit erneuerbaren Energien auskommt, muss dennoch genügend Kohle und Gas vorhalten, um den Großteil des Bedarfs in der darauffolgenden Woche zu decken. Das bedeutet, dass zwei Stromsysteme finanziert werden müssen: eines für windige Tage und eines für alle anderen. Hinzu kommt der Gaspreis, der sich am Weltmarkt richtet, wenn der Wind nachlässt. Die Befürworter können sich über das erste System freuen und das zweite ignorieren. Die Kosten für den Ausbau sind ein separates Thema, das Fritz Vahrenholt am 30. Oktober in seinem Artikel über die Einschätzung von Prognos von 5,7 bis 6,4 Billionen Euro bis 2045 behandelte.

Die Day-Ahead Auktion am Vortag, Dienstag, den 3. November, erzielte einen Durchschnittspreis von 252,85 € pro Megawattstunde, mehr als das Achtfache des Rekordtages, und ich gehe nicht davon aus, dass dieser Rekord mit einem Ausrufezeichen versehen wird.

Preisdaten: Bundesnetzagentur/SMARD über die Energy-Charts API, DE-LU Day-Ahead, CC BY 4.0. Erzeugung und Anteil erneuerbarer Energien: Energy-Charts (Fraunhofer ISE), öffentlich zugängliche Nettoerzeugung und täglicher Anteil erneuerbarer Energien an der Last. Die Tageswerte sind Mittelwerte aus 15-Minuten-Messungen (deutsche Zeit).

Übersetzung: Eric Vieira

Dieser Artikel wurde erstmals am 2. November 2026 auf wattsupwiththat veröffentlicht.

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By |2026-11-05T10:31:15+01:00November 5, 2026|Comments Off on Dunkelflaute: Deutsche Strompreise steigen innerhalb von vier Tagen von 13 € auf 315 €
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