Pekings nützliche Idioten: Deutschland und Kalifornien

Deutschland und die „Volksrepublik Kalifornien“ sind Chinas „nützliche Idioten“. Die beiden selbsternannten Klimaführer hätten die Macht teuer gemacht, ihre eigenen Industrien geschwächt und die Lieferketten Peking überlassen, sagt Tilak Doshi.

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AI-generated illustration accompanying Tilak Doshi’s commentary on Germany, California and China’s growing dominance of clean-energy supply chains.

Bild erstellt mit KI

Tilak Doshi
Datum: 8. Oktober 2026

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Satire ist überflüssig geworden. Die Zeitschrift „The Nation“, eine alte abolitionistische Publikation, 1865 in den USA gegründet und heute stolz das Flaggschiff der Linken, hat Deutschland und Kalifornien geradezu zu „Umwelt-Supermächten“ ernannt. Der Autor, Mark Hertsgaard, ist Umweltkorrespondent des Magazins und gleichzeitig Geschäftsführer von Covering Climate Now, einer von einer Stiftung finanzierten Medienkampagne, die „The Nation“ selbst mitbegründet hat. Seine beiden wichtigsten Behauptungen sind ein Interview, das Gavin Newsom Covering Climate Now gab, und eine Umfragekampagne, das „89% Project“, das natürlich von Covering Climate Now durchgeführt und, wie der im Artikel zitierte AP-Bericht zeigt, von einem Hafermilchhersteller unterstützt wird. Ein perfekt geschlossener Kreislauf – mehr, als man von den Energiesystemen behaupten kann, die er feiert.

Lässt man die Selbstbeweihräucherung beiseite, bleibt folgender Sachverhalt bestehen: Die dritt- und viertgrößten Volkswirtschaften der Welt haben sich zu Vorreitern im Klimaschutz entwickelt. Berlin hat sich erstmals verpflichtet, die Nutzung fossiler Brennstoffe bis 2045 zu beenden. Unklar ist, ob dies auf Basis von Klimaneutralität („Netto-Null“) geschieht oder ob tatsächlich ein vollständiger Verzicht auf fossile Brennstoffe gemeint ist. Gouverneur Newsom behauptet, Kalifornien habe in diesem Jahr an neun von zehn Tagen ausschließlich mit sauberem Strom gearbeitet. Die Frage, die die Öffentlichkeit nie stellt, ist, wem diese Leistung nützt.

Deutschland und Kalifornien scheinen China perfekt zu ergänzen. Pekings Weg zur globalen Vorherrschaft in Produktion und Technologie, einschließlich künstlicher Intelligenz, führt über billige, zuverlässige Energie und die Kontrolle der Lieferketten. Die beiden selbsternannten Klimaführer haben die Energie teuer gemacht, ihre eigenen Industrien geschwächt und die Lieferketten Peking überlassen. Lenin soll solche Leute als nützliche Idioten bezeichnet haben. Patricia Adams brachte denselben Punkt gegenüber westlichen Umweltschützern in der Financial Post und ausführlicher in ihrem Papier „Der Weg von Paris“ der „Global Warming Policy Foundation“ zur Sprache. Das Muster war bereits klar, als Peking als Klimaretter inszeniert wurde: das grüne Kommuniqué unterzeichnen, Lob einstreichen und weiterhin Kohlekraftwerke bauen, als gäbe es kein Morgen.

Im Gegensatz zu öffentlicher Rhetorik misst China der Dringlichkeit der Dekarbonisierung in der Realpolitik wenig Bedeutung bei. Damit steht es nicht allein. Die USA unter Trump, Indien und Russland – die zusammen über 40 % der globalen Emissionen verursachen – lehnen die Erzählung von der Klimakrise ab. Diese Länder priorisieren Wirtschaftswachstum gegenüber Klimaalarmismus und lähmenden Netto-Null-Politiken. Sie teilen Chinas Pragmatismus: Der Wunsch nach wirtschaftlichem Fortschritt hat Vorrang vor unbewiesenen Vorhersagen einer Klimakatastrophe. Oberste Priorität für Russland, China, Indien und ihre Partner in den Entwicklungsländern haben die Sicherung des Regimes und der nationalen Sicherheit, die letztlich von der Verbesserung des allgemeinen Wohlergehens ihrer Bürger abhängt.

Eine Supermacht, die ihre Energie importiert

Deutschland hat die höchsten Strompreise für Privathaushalte in der EU: 0,38 € pro Kilowattstunde (kWh) im ersten Halbjahr 2025. Ein Vergleich von Verivox für das zweite Quartal 2026 prognostiziert einen deutschen Haushaltstarif von 0,36 €, mehr als das Fünffache der 0,07 € in China. In Kalifornien erreichte der Preis für Privathaushalte im April 0,35 US-Dollar, verglichen mit einem nationalen Durchschnitt von 0,18 US-Dollar pro kWh. Auch Industrieunternehmen sind betroffen. Ein Stahlwerk in Deutschland zahlt unter Umständen um einen Größenordnung mehr für Strom als eine Schmelzhütte am Persischen Golf. Über 60 % der deutschen Haushaltsrechnung entfallen auf Steuern, Abgaben und Netzentgelte – die Kosten für die Integration wetterabhängiger Erzeugungsanlagen und für Reservekapazitäten, die ungenutzt bleiben müssen.

Deutschland verfügt über Schiefergasvorkommen, deren technisch förderbare Ressourcen das Bundesinstitut für Geologie auf 320 bis 2.030 Milliarden Kubikmeter schätzt – weit mehr als die konventionellen Reserven. Trotzdem hält ein 2016 verhängtes Verbot Fracking-Unternehmen fern, während Berlin im Jahr 2025 rund 684 Terawattstunden Gas importierte. Diese Importabhängigkeit ist eine politische Entscheidung – und eine schlechte. Deutschlands Antwort auf den Gaspreisschock von 2022, nachdem es russische Gasimporte ins eigene Land sanktioniert hatte, bestand darin, verstärkt auf Braunkohle zu setzen, während die letzten Kernkraftwerke planmäßig abgeschaltet und feierlich abgerissen wurden. Die „Dunkelflaute“, die kalten, stillen und dunklen Perioden, die Nordeuropa heimsuchen, lassen sich nicht durch Batterien überbrücken, zu irgendwelchem ​​Preis, den eine Wirtschaft verkraften konnte. Brüssel, dessen Energiepolitik sich an Berlin orientiert, sind nicht besser. Norwegen, außerhalb der EU, ignoriert Brüssel: Es nahm letztes Jahr das Johan-Castberg-Feld in Betrieb, und sein Gas deckt bereits rund 30 % des EU-Verbrauchs. Die Norweger retten nicht den Planeten; Sie verkaufen Wärme an die Deutschen.

Kalifornien, einst ein bedeutender Ölstaat, bezieht heute 61 % seines Rohöls aus dem Ausland, vor allem aus Brasilien und dem Irak. Die Schließung der Phillips-66-Raffinerie in Los Angeles und des Valero-Werks in Benicia hat dem Bundesstaat 17 % seiner Raffineriekapazität gekostet, und die Benzinimporte werden 2025 die höchsten Werte seit mindestens 2004 erreichen. Gleichzeitig wird mehr als ein Viertel des kalifornischen Stroms aus anderen Bundesstaaten importiert. Nichts davon ist ein Zufall der Geologie. Laut dem kalifornischen Ölindustrieverband sind die neuen Bohrgenehmigungen um 96 % zurückgegangen; Sacramento legt die Bohrlöcher und Raffinerien still und kauft das Rohöl dann in Bagdad.

Mitte der 1990er-Jahre, als ich für einen großen amerikanischen Ölkonzern mit Hauptsitz in Los Angeles arbeitete, gab es eine Betriebsversammlung zum Thema politische Risiken für die Konzernaktiva von Venezuela bis Indonesien. Ein leitender Vizepräsident mahnte die Anwesenden, die politischen Risiken der „Volksrepublik Kalifornien“ nicht zu vergessen. Ich habe das nie vergessen. Der Staat ist eine Art Energieinsel aus freier Wahl, kaum an das kontinentale Rohölnetz angebunden, und hat zwei Jahrzehnte lang seine eigenen Kohlenwasserstoffvorkommen unzugänglich gemacht.

Herr Newsom, der voraussichtlich 2028 für das Präsidentenamt kandidieren wird, hat jedes Interesse daran, die Zahlen zu beschönigen, und seine Behauptung, 100 % saubere Energie zu erzeugen, verdient genaue Prüfung. In einer früheren Version seiner Aussage definierte sein Büro die Leistung als saubere Energie „zumindest für einen Teil des Tages“, was im Jahr 2025 durchschnittlich sieben Stunden täglich bedeutete, was etwa 52 vollen Tagen oder fast 30 % des Jahres bis dahin entsprach. Neun von zehn Tagen; 30 % der Stunden. Nur ein überzeugter Verfechter des Klimaschutzes könnte solche Statistiken als Triumph präsentieren, und nur eine leichtgläubige Presse könnte sie veröffentlichen. Das US-Energieministerium hat die Fakten klar formuliert: Etwa 15 % des kalifornischen Primärenergiebedarfs decken erneuerbare Energien, mehr als 75 % stammen aus Öl und Erdgas. Das „California-Policy-Center“ bezeichnete die Behauptungen des Gouverneurs über saubere Energie als „offensichtlich falsch“. Er behauptet außerdem, die Märkte würden sich zu seinen Gunsten entwickeln, da der Iran-Krieg Benzin und Diesel verteuert habe. Ein Staat, der den größten Teil seines Rohöls importiert, ist, um es gelinde auszudrücken, ein ungewöhnlicher Verfechter dieser Behauptung.

Kein Wunder, dass Professor Fritz Vahrenholt, ehemaliger Hamburger Umweltsenator, diese Woche gegenüber Apollo News erklärte, Deutschlands Energiewende sei „kein Übergang, sondern ein Rückschritt“. Der Umsatz der deutschen Chemieindustrie liegt rund 22 % unter dem Höchststand von 2022. Das Energiewende-Barometer des DIHK zeigt, dass Industrieunternehmen Kerninvestitionen verschieben und die Produktion ins Ausland verlagern. Berlins Antwort darauf sind weitere Subventionen – ein Eingeständnis, dass der Preis der Energiewende mit der Produktion unvereinbar ist.

Lenins Idioten, Pekings Nutznießer

Nun zum Nutznießer. Die IEA berichtet, dass Chinas Anteil an jeder Phase der Solarpanel-Herstellung über 80 % liegt und dass Kohle mehr als 60 % des Stroms liefert, der für die weltweite Produktion von Solarpanels benötigt wird. Westliche Tugend wird in chinesischen Fabriken hergestellt, die mit chinesischer Kohle befeuert werden. Peking hat für 2025 neue Kohlekraftwerke mit einer Leistung von 78 Gigawatt in Betrieb genommen – so viel wie seit zehn Jahren nicht mehr – und plant weitere 161 Gigawatt, ein Rekordwert. Bloomberg NEF stellt fest, dass Festlandchina über 70 % der globalen Kapazität in allen wichtigen Cleantech-Segmenten hält, die sie verfolgt. Seit 2018 hat China Batterien, Solaranlagen, Elektrofahrzeuge und Windkraftkomponenten im Wert von rund einer Billion Dollar exportiert. Das Solarpanel auf einem deutschen Dach oder das Elektroauto von Baidu in den Straßen von Los Angeles sind das saubere Ende einer schmutzigen Kette.

China verarbeitet zudem rund 90 % der weltweiten Seltenerdmagnete. Als das Land seine Exporte ab 2025 drosselte, warnte der deutsche Automobilverband vor einem möglichen Produktionsstopp. Professor Vahrenholts „Rückschritt“ hat ein menschliches Gesicht: Volkswagen plant nun, bis 2030 50.000 deutsche Stellen abzubauen – der Gewinn liegt auf dem niedrigsten Stand seit 2016 –, während der Konzern mit chinesischen Konkurrenten zu kämpfen hat. Dieser Rückzug beschränkt sich jedoch nicht auf Wolfsburg. Im vergangenen Dezember gab die Europäische Kommission dem Druck der Autohersteller nach und strich die strikte Vorgabe, dass neue Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ab 2035 nicht mehr zugelassen werden – ein stillschweigendes Eingeständnis, dass eine Branche nicht per Gesetz zu einer Technologie gezwungen werden kann, die China bereits monopolisiert hat.

Dann kommt der Hauptgewinn. Künstliche Intelligenz ist im Grunde ein Wettstreit um Strom. China produziert bereits mehr als doppelt so viel Strom wie die USA, und Bloomberg NEF rechnet damit, dass sich die Erzeugungskapazität in den nächsten fünf Jahren versechsfachen wird. Wohin werden sich wohl die Betreiber von Rechenzentren verlagern: in Länder, die billigen und zuverlässigen Strom als strategischen Vorteil betrachten, oder zu den beiden Klimaschutz-Vorreitern, die ihn als moralisches Versagen ansehen? Vahrenholts Kritikpunkt ist genau, dass Deutschland seine Reaktoren abgeschaltet hat, während China und die USA um die KI-Führung wetteifern.

Übersetzung: Eric Vieira

Dieser Artikel wurde von Tilak Doshis Substack übernommen und erschien erstmals am 5. Oktober 2026 im Daily Sceptic.

Dr Tilak K. Doshi

Dr. Tilak K. Doshi ist Energieredakteur des Daily Sceptic. Er ist Wirtschaftswissenschaftler, Mitglied der  CO2 Coalition  und ehemaliger Autor für Forbes. Folgen Sie ihm auf Substack und X.

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By |2026-10-08T14:11:54+02:00October 8, 2026|Comments Off on Pekings nützliche Idioten: Deutschland und Kalifornien
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