Lucy Biggers: Wie ich zu einer voreingenommenen Klimareporterin wurde

Als junge Journalistin wollte Lucy Biggers Gutes tun, verlor aber nach und nach das Vertrauen in ihr eigenes Urteilsvermögen. Sie beschreibt nun, wie Gruppenzwang, Schuldgefühle und die Angst vor Ausgrenzung ihre Berichterstattung über den Klimawandel prägten.

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Lucy Biggers on bias in climate reporting

Lucy Biggers ist Leiterin der Social-Media-Abteilung bei The Free Press

Evert Doornhof
Datum: 19. September 2026

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Lucy Biggers war 25, als sie 2015 zu NowThis News kam. Sie betrat eine junge, progressive Redaktion und wollte dazugehören. Zehn Jahre später beschreibt sie, wie dieses Umfeld sie zu dem gemacht hat, was sie selbst als „extrem voreingenommene Klimareporterin“ bezeichnet.

Jahrelang engagierte sich Biggers stark in der Klimabewegung. Sie verbrachte Zeit mit Greta Thunberg und arbeitete mit der prominenten demokratischen Kongressabgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez, besser bekannt als AOC, zusammen. Fotos von Biggers mit beiden Frauen verdeutlichen, dass sie keine Außenstehende war: Sie war Teil der Welt, die sie heute kritisch betrachtet.

Lucy mit Greta in Stockholm (2019) und mit AOC (2018), Quelle: The Free Press

Biggers teilt aktiv klimarealistische Inhalte in den sozialen Medien und setzt sich gegen Verzerrungen in der Klimaberichterstattung ein. Sie hat über 40 000 Follower auf X und leitet außerdem die Social-Media-Abteilung der Zeitung „The Free Press“.

In ihrem kürzlich erschienenen X-Beitrag fasst sie ihre Transformation in drei Schritten und drei kurzen Videos zusammen, die Sie unten sehen können:

  1. Dekonstruiere deine Identität
  2. Sühne deine Sünden
  3. Sich voll und ganz der Ideologie unterwerfen

Eine Gruppe, der sie sich anschließen wollte

Biggers beschreibt ihre neuen Kollegen bei NowThis als Mitglieder der politischen „Tumblr-Generation“. Sie unterstützten Bernie Sanders und betrachteten die Gesellschaft als einen Kampf zwischen den Unterdrückten und ihren Unterdrückern.

Wer weiß, westlich, amerikanisch oder anderweitig privilegiert war, gehörte automatisch zur Klasse der Unterdrücker. Solche Menschen konnten ihrer eigenen Wahrnehmung nicht trauen, da diese als von Rassismus, Sexismus und Privilegien geprägt galt.

Biggers bewunderte ihre Kollegen. Sie wirkten intelligenter, fortschrittlicher und besser informiert. Deshalb, so sagt sie, habe sie ihr Urteil, dem der Gruppe überlassen. Wenn der Gruppe etwas nicht gefiel, gefiel es ihr auch nicht. Wer war sie schon, „nur irgendein dummes weißes Mädchen“, das widersprechen sollte?

Diese Denkweise beeinflusste ihre Klimaberichterstattung unmittelbar. Aktivisten erklärten ihr, dass die Konzerne der fossilen Brennstoffindustrie böse seien, der Kapitalismus den Planeten zerstöre und der Westen für die Probleme der Welt verantwortlich sei. Biggers akzeptierte deren Behauptungen als unumstößliche Wahrheit.

Klimaberichterstattung als Sühne

Dies führte zum zweiten Schritt: der Wiedergutmachung ihrer Herkunft und ihrer Privilegien.

Biggers wollte Ungleichheit bekämpfen und Menschen helfen. Sie erkennt die rassistische Geschichte der USA an und ist sich bewusst, dass sie mit gewissen Vorteilen aufgewachsen ist. Diese seien, sagt sie, die „Keime der Wahrheit“ gewesen, die die umfassendere Ideologie überzeugend gemacht hätten.

Doch die Schlussfolgerungen reichten noch viel weiter. Als weiße, privilegierte Amerikanerin hatte sie das Gefühl, beweisen zu müssen, dass sie auf der richtigen Seite stand. Die Berichterstattung über den Klimawandel wurde für sie zum Mittel, die „Sünden ihrer Geburt“ zu sühnen.

Sie begann, den Klimawandel auf eine ganz bestimmte Weise darzustellen: als existenzielle Bedrohung, verursacht durch fossile Energiekonzerne, Kapitalismus und westlichen Imperialismus. Indem sie diese Erzählung vorantrieb und marginalisierten Gruppen mehr Gehör verschaffte, konnte sie beweisen, dass sie eine verlässliche Verbündete war.

Biggers betont, dass ihre Motivation nicht aus Zynismus, sondern aus Mitgefühl entsprang. Genau deshalb erkannte sie nicht, dass ihre Berichterstattung ideologisch geprägt war. Ihre Überzeugungen bestimmten, welche Fakten sie akzeptieren konnte – und welche nicht.

Die Angst vor Ausgrenzung

Im dritten Video erklärt Biggers, wie schwer es ist, sich von einer solchen Gruppe zu lösen. Viele Menschen könnten ihre Erfahrungen nachvollziehen, sagt sie, hätten aber Angst, ihr öffentlich zuzustimmen. Sie fürchteten Ablehnung durch Freunde und Kollegen, Konsequenzen im Beruf oder den Ausschluss aus ihrer eigenen Clique.

Biggers kannte diese Angst selbst. Bevor sie sich öffentlich gegen Voreingenommenheit in der Klimaberichterstattung aussprach, befürchtete sie, als Rassistin beschimpft zu werden. Im Kontext des Gegensatzes zwischen Unterdrückern und Unterdrückten fühlte sich Kritik an der Klimabewegung auch wie ein Verrat an marginalisierten Gemeinschaften an.

Sie argumentiert, dass die Cancel Culture der letzten zehn Jahre den Menschen gezeigt habe, dass das Hinterfragen einer Ideologie nicht einfach nur Meinungsverschiedenheit bedeutet. Wer unbequeme Fragen stellt, kann schnell als böse, rassistisch, sexistisch oder privilegiert dargestellt werden.

Dadurch kann sich die Gruppe selbst erhalten. Die Menschen schweigen, weil sie glauben, allein zu sein. Ihr Schweigen überzeugt dann alle anderen davon, dass fast die gesamte Gruppe zustimmt.

Die Klimapolitik-Falle von innen

Biggers drei Stufen bilden ein geschlossenes System. Zunächst wird den Menschen beigebracht, ihrem eigenen Urteilsvermögen nicht zu vertrauen. Dann wird ihnen eine moralische Schuld auferlegt, die sie abtragen müssen. Schließlich wird die Zustimmung zur Ideologie zur Voraussetzung dafür, ein guter Mensch zu sein und Teil der Gruppe zu bleiben.

Ihre Erfahrungen knüpfen an das an, was wir zuvor als die Klimapolitik-Falle bezeichnet haben: eine Weltanschauung, die durch Gruppenzugehörigkeit, moralischen Status und sozialen Druck zunehmend resistent gegen Kritik wird. Biggers zeigt, wie diese Falle von innen aussieht.

„Sobald Menschen Angst davor haben, sich selbst zu vertrauen, die Fakten zu prüfen oder sich gegen die Gruppe zu stellen, hat man sie in der Hand“, schreibt sie. „Sie lassen sich dazu bringen, alles zu glauben und zu tun.“

Übersetzung: Eric Vieira

Evert Doornhof

Evert Doornhof war lange in der Finanzwelt in kaufmännischen und Managementpositionen tätig. Nach der COVID-Pandemie schlug er einen anderen Weg ein, als er miterlebte, wie schnell persönliche Freiheiten eingeschränkt werden können. Er engagiert sich nun dafür, Krisen aufzudecken, die inszeniert oder übertrieben erscheinen. Unter anderem ist er bei der Clintel Foundation aktiv, wo er die Social-Media-Kanäle betreut und mehrere Artikel verfasst hat.

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By |2026-09-19T17:19:49+02:00September 19, 2026|Comments Off on Lucy Biggers: Wie ich zu einer voreingenommenen Klimareporterin wurde
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