Afrikas ärmste Länder brauchen Energie, nicht Empathie

Afrikanische Regierungen sollten von der Afrikanischen Entwicklungsbank und der Weltbank fordern, die Finanzierung von Kohlekraftwerken und der dazugehörigen Infrastruktur wieder aufzunehmen. Dies sei das absolute Minimum, damit die Ärmsten des Kontinents der Armut entkommen können, so Vijay Jayaraj.

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Children cooking in the courtyard of their home in Mali.

Kinder, die im Innenhof ihres Hauses in Mali kochen. (Quelle: Shutterstock)

Vijay Jayaraj
Datum: 5. Oktober 2026

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Die etablierten Medien und politischen Analysten haben die Tragweite der Abschaffung der Treibhausgasgrenzwerte für Kraftwerke durch die USA – ein tiefgreifender Wendepunkt für die globale Energiepolitik – nur sehr zögerlich erkannt. Während Washington also wieder auf Vernunft in der Industrie setzt, bleibt das Versprechen einer Energiereform in Afrika, insbesondere in Ländern mit niedrigem oder gar keinem Nationaleinkommen, nicht erfüllt.

Beginnen wir mit den Zahlen der Weltbank. In Mosambik leben 81 % der Bevölkerung unterhalb der extremen Armutsgrenze (2,15 US-Dollar pro Tag). In Burundi liegt dieser Wert bei 74 % und in der Zentralafrikanischen Republik bei fast 72 %. Malawi weist ebenfalls einige der höchsten Armutsraten des Kontinents auf, und seine Wirtschaft startete mit einer Inflation von fast 30 % und einer Staatsverschuldung von fast 91 % des Bruttoinlandsprodukts in das Jahr 2026.

Südsudan weist den niedrigsten Wert im UN-Index für menschliche Entwicklung auf. Im Jahr 2019 kochten mehr als 97 % der Menschen in der Zentralafrikanischen Republik,  im Südsudan und in Burundi mit räuchendem Holz, Holzkohle, Dung und Ernterückständen.

Das Institute for Health Metrics and Evaluation stellte fest, dass in Burundi viele Menschen an den Folgen von Haushaltsrauch sterben und Frauen und Mädchen täglich vier Stunden mit dem Sammeln von Brennstoff verbringen. In Ägypten, wo Kochgas weit verbreitet ist, sind solche Notlagen kaum bekannt.

Energiezugang und Armut

Einer der Hauptgründe für diese extreme Armut ist der fehlende Zugang zu Energie, insbesondere zu Elektrizität. Und einige der Statistiken könnten aus Gesellschaften der finsteren vorindustriellen Zeit stammen.

Das Stromnetz der Zentralafrikanischen Republik wird durch die Wasserkraft eines einzigen Flusses gespeist. Der Boali-Kraftwerkskomplex am Mbali-Fluss – drei Einheiten mit einer Gesamtleistung von weniger als 39 Megawatt – produziert weit weniger Strom als ein einzelnes modernes Kohlekraftwerk, das typischerweise 1.000 Megawatt oder mehr erzeugt. Von den 5 Millionen Einwohnern des Landes haben 4,3 Millionen keinen Zugang zu Elektrizität.

Burundis gesamtes nationales Stromnetz produzierte im Jahr 2025 trotz einer kürzlich erfolgten Erweiterung um fast 50 Megawatt, weniger als 167 Megawatt. Der Zugang zu Elektrizität liegt landesweit unter 12 %. Burundis 14 Millionen Einwohner sind auf ein System angewiesen, das kaum für ein einziges amerikanisches Einkaufszentrum ausreicht.

Die installierte Leistungsfähigkeit des Südsudans erreichte im Jahr 2023 rund 214 Megawatt, wovon etwa die Hälfte in Betrieb war.

Warum gibt es gerade dort, wo es am dringendsten nötig ist, so wenig verlässliche Stromversorgung? Man muss sich nur die Finanzströme ansehen. Die Weltbank hat die Kohlefinanzierung vor über einem Jahrzehnt eingestellt. Nach 2019 beendete sie dann auch die Kreditvergabe an die Öl- und Gasförderung.

Im September 2019 erklärte der Präsident der Afrikanischen Entwicklungsbank, Akinwumi Adesina, auf dem UN-Klimagipfel, dass die Kohle der Vergangenheit angehöre und seine Bank sich davon trenne – ein Versprechen, das die Bank zwar nie formell in ihre Richtlinien aufnahm, aber in der Praxis umsetzte.

Vijaya Ramachandran vom Breakthrough Institute erklärt, dass pauschale Verbote der Finanzierung von Kohlenwasserstoffprojekten die Armut verfestigen. Den Klimawandel anzugehen und gleichzeitig die Armut zu ignorieren, sei „völlig unmoralisch“, sagt sie. „Der durchschnittliche Äthiopier verbraucht nur 130 Kilowattstunden Strom pro Jahr, etwa so viel wie der Durchschnittsbürger in den USA in vier Tagen.“

Frau Ramachandran ist keine Klimaskeptikerin, sondern eine Ökonomin, die weiß, was in einer Klinik passiert, die nicht über genügend Strom verfügt, um ihre Medikamente zu kühlen.

NJ Ayuk von der Afrikanischen Energiekammer argumentiert aus technischer Sicht. Um die Energiearmut zu beenden, so sagt er, seien alle verfügbaren Ressourcen nötig, wobei Kohle und Öl zu den Rohstoffen gehörten, die „jeweils eine wichtige Rolle spielen“. Afrikanern zu raten, sich mit Wind- und Solarenergie zu begnügen, während reiche Länder ihre Kohlekraftwerke wieder in Betrieb nehmen, sei „nicht nur unfair und ungerecht, sondern auch unehrlich“, sagt er.

Afrikanische Regierungen sollten von der Afrikanischen Entwicklungsbank und der Weltbank fordern, die Finanzierung von Kohlekraftwerken und der dazugehörigen Infrastruktur wieder aufzunehmen. Dies ist das absolute Minimum, damit die Ärmsten des Kontinents der Armut entkommen können.

Übersetzung: Eric Vieira

Dieser Kommentar wurde erstmals am 30. September 2026 bei PJ Media veröffentlicht.

Vijay Jayaraj

Vijay Jayaraj ist wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der CO2 Coalition in Fairfax, Virginia. Er besitzt einen Master-Abschluss in Umweltwissenschaften von der University of East Anglia und einen Postgraduierten-Abschluss in Energiemanagement von der Robert Gordon University, beide in Großbritannien, sowie einen Bachelor-Abschluss in Ingenieurwesen von Anna University in Indien. Zuvor war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Changing Oceans Research Unit der University of British Columbia in Kanada tätig.

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By |2026-10-05T09:08:54+02:00October 5, 2026|Comments Off on Afrikas ärmste Länder brauchen Energie, nicht Empathie
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