In einer sich erwärmenden Welt übersteigt die Zahl der Todesfälle durch Kälte die der Todesfälle durch Hitze im Verhältnis 12 zu 1

Eine neue Studie zeigt, dass in den USA kaltes Wetter einen wesentlich größeren Einfluss auf die Sterblichkeit hat als Hitze und dass soziale Benachteiligung eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der Folgen spielt.

Climate Intelligence (Clintel) is an independent foundation informing people about climate change and climate policies.

Extreme Kälte in Manhattan im Februar 2026. (Quelle: Shutterstock)

Anthony Watts
Date: 5. April 2026

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Eine neue Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift „Current Problems in Cardiology“, untersucht eingehend, wie sich Temperaturen – sowohl Hitze als auch Kälte – auf die Sterblichkeit in den Vereinigten Staaten auswirken. Die Studie über den Zeitraum von 2000 bis 2020 wertet Daten aus über 1.500 Landkreisen und mehr als 33 Millionen Todesfällen aus. Ihr Ziel ist es abzuschätzen, wie viele Todesfälle mit „nicht optimalen“ Temperaturen in Zusammenhang stehen und wie soziale Benachteiligung diese Ergebnisse beeinflusst.

Auf den ersten Blick entspricht die Darstellung in der Studie einer bekannten Erzählung: Der Klimawandel wird oft mit zunehmenden Hitzewellen und der Sorge um steigende Zahlen hitzebedingter Todesfälle in Verbindung gebracht. Die tatsächlichen Ergebnisse zeichnen jedoch ein differenzierteres – und in gewisser Weise widersprüchliches – Bild.

Das auffälligste Ergebnis ist, dass Kälte nach wie vor die mit Abstand häufigste temperaturbedingte Todesursache in den Vereinigten Staaten ist. Die Autoren schätzen, dass im Durchschnitt etwa 72.361 Todesfälle pro Jahr auf niedrige Temperaturen zurückzuführen sind, verglichen mit nur etwa 6.129 Todesfällen pro Jahr durch Hitze.

Mit anderen Worten: Die kältebedingte Sterblichkeit ist etwa zwölfmal höher als die hitzebedingte Sterblichkeit.

[Hervorhebungen im Original]

Zunehmende Zahl kältebedingter Todesfälle

Dies allein stellt die gängige Auffassung in Frage, dass steigende Temperaturen zwangsläufig zu einem Anstieg der Todesfälle führen. Wenn überhaupt, deuten die Daten darauf hin, dass Kälte nach wie vor das weitaus größere Risiko für die öffentliche Gesundheit darstellt.

Noch überraschender ist die Beobachtung der Studie, dass die Zahl der kältebedingten Todesfälle im Laufe der Zeit zugenommen hat. Den Autoren zufolge ist die kältebedingte Sterblichkeit in den Vereinigten Staaten seit dem Jahr 2000 um etwa 9 % pro Jahr gestiegen. Dieser Trend widerspricht der Erwartung, dass ein wärmeres Klima die kältebedingten Risiken verringern würde.

Wie bringen die Autoren diese Ergebnisse nun mit den Bedenken hinsichtlich des Klimawandels in Einklang?

Ein zentrales, in der Studie vorgestelltes Konzept ist die „minimale Mortalitätstemperatur“ (MMT), welche die Temperatur angibt, bei der die niedrigsten Sterberaten auftreten. In dieser Studie liegt die nationale durchschnittliche MMT bei etwa 22,7 °C, was bedeutet, dass die Sterblichkeit steigt, wenn die Temperaturen entweder über oder unter diesem Wert liegen.

Wichtig ist, dass die Temperaturen an den meisten Tagen in den meisten Regionen unter dieser optimalen Temperatur liegen. Das bedeutet, dass ein größerer Teil der Zeit – und damit ein größerer Anteil der Todesfälle – mit kühleren Bedingungen als mit extremer Hitze in Verbindung steht. Dies hilft zu erklären, warum die kältebedingte Sterblichkeit in den Statistiken überwiegt.

Soziale Verwundbarkeit

Ein weiterer Schwerpunkt der Studie ist die „soziale Verwundbarkeit“. Die Autoren verwenden einen Index, der Faktoren wie Einkommen, Wohnsituation, Zugang zur Gesundheitsversorgung und demografische Merkmale umfasst. Sie stellen fest, dass sozial schwächere Bevölkerungsgruppen sowohl bei Hitze als auch bei Kälte höhere Sterblichkeitsraten aufweisen.

Besonders auffällig ist der Anstieg jedoch bei Kälteexposition. Bezirke mit höherer sozialer Gefährdung weisen nicht nur insgesamt höhere Sterblichkeitsraten auf, sondern auch einen steileren Anstieg des Risikos bei sinkenden Temperaturen. Dies deutet darauf hin, dass sozioökonomische Bedingungen – wie schlechte Wohnverhältnisse, eingeschränkte Heizmöglichkeiten oder mangelnder Zugang zu medizinischer Versorgung – eine entscheidende Rolle hinsichtlich der Folgen spielen.

Dies wirft eine wichtige Frage auf: Sind temperaturbedingte Todesfälle in erster Linie ein Klimaproblem oder ein Problem der Armut und der Infrastruktur?

Die Daten dieser Studie deuten stark auf Letzteres hin. Zwar spielen Temperaturextreme eine Rolle, doch scheint die Fähigkeit, mit diesen Extremen umzugehen, von größerer Bedeutung zu sein. Bevölkerungsgruppen mit besseren Ressourcen, Wohnverhältnissen und einer besseren Gesundheitsversorgung sind weniger gefährdet – selbst wenn sie den gleichen Temperaturen ausgesetzt sind.

Die Studie hebt zudem hervor, dass sozial benachteiligte Landkreise tendenziell etwas höhere optimale Temperaturen (MMT) aufweisen, was bedeutet, dass sie an wärmere Bedingungen gewöhnt sind. Dennoch leiden sie trotz dessen unter einer höheren Sterblichkeit sowohl bei Hitze als auch bei Kälte. Dies unterstreicht erneut, dass Anpassung und Resilienz entscheidende Faktoren sind.

Politische Implikationen

Aus politischer Sicht plädieren die Autoren für „auf Vulnerabilität ausgerichtete Strategien im Bereich der öffentlichen Gesundheit“. Im Klartext bedeutet dies, dass Hilfsmaßnahmen – wie Heizung, Kühlung und Zugang zur Gesundheitsversorgung – gezielt auf die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen ausgerichtet werden sollten.

Diese Schlussfolgerung ist vernünftig und wird durch die Daten gut gestützt. Allerdings verlagert sie den Schwerpunkt weg vom Klimawandel selbst hin zu den lokalen sozioökonomischen Bedingungen. Wenn Todesfälle durch Kälte zwölfmal häufiger sind als Todesfälle durch Hitze und wenn sie trotz der Erwärmungstrends zunehmen, würde eine bloße Senkung der globalen Temperaturen den Hauptgrund für die Sterblichkeit nicht beseitigen.

Es gibt auch einige Einschränkungen, die es zu beachten gilt. Die Studie verfolgt einen ökologischen Ansatz auf Kreisebene, was bedeutet, dass sie keine individuellen Expositionen oder Verhaltensweisen nachverfolgen kann. Sie stützt sich zudem auf statistische Modelle, um Todesfälle der Temperatur zuzuschreiben, anstatt auf direkte Aufzeichnungen der Todesursachen. Wie bei allen derartigen Studien hängen die Ergebnisse von Annahmen darüber ab, wie die Temperatur die Sterblichkeit beeinflusst.

Konsistent

Darüber hinaus konzentriert sich die Studie auf Erwachsene im Alter von 25 bis 84 Jahren und lässt ältere Bevölkerungsgruppen außer Acht, die möglicherweise besonders anfällig für Temperaturextreme sind. Dies könnte sich auf die Gesamtschätzungen auswirken. Trotz dieser Einschränkungen sind die zentralen Ergebnisse aussagekräftig und stimmen mit früheren Forschungsergebnissen überein, wie beispielsweise der Lancet-Studie aus dem Jahr 2015.

Fazit: Kaltes Wetter trägt wesentlich stärker zur Sterblichkeit bei als Hitze, und soziale Benachteiligung spielt eine entscheidende Rolle bei der Bestimmung der Folgen.

In der breiteren Klimadebatte sind diese Ergebnisse von großer Bedeutung. Ein Großteil der öffentlichen Diskussion konzentriert sich auf die Gefahren von Hitzewellen und steigenden Temperaturen. Diese Risiken sind zwar real, doch diese Studie legt nahe, dass sie nur einen Teil des Gesamtbildes ausmachen – und zwar nicht den dominierenden Teil.

Wenn es den politischen Entscheidungsträgern in erster Linie darum geht, Menschenleben zu retten, könnte die Bekämpfung kältebedingter Risiken und die Stärkung der Widerstandsfähigkeit gefährdeter Gemeinschaften weitaus größere Vorteile bringen als eine ausschließliche Konzentration auf Hitze.

Kurz gesagt, die Studie erinnert uns daran, dass Klima und Gesundheit komplexe Themen sind. Der Zusammenhang zwischen Temperatur und Sterblichkeit lässt sich nicht einfach mit der Gleichung „Erwärmung gleich mehr Todesfälle“ erklären. Vielmehr wird er durch eine Kombination aus Umweltbedingungen, Infrastruktur und sozialen Faktoren geprägt.

Und derzeit zeigen die Daten, zumindest in den Vereinigten Staaten, dass Kälte – und nicht Hitze – die größere Bedrohung darstellt.

Climate Intelligence (Clintel) is an independent foundation informing people about climate change and climate policies.

Dieser Artikel wurde erstmals am 31. März 2026 auf wattsupwiththat.com veröffentlicht.

Übersetzt von Christian Freuer

Anthony Watts

Anthony Watts ist Senior Fellow für Umwelt und Klima am Heartland Institute. Watts ist seit 1978 als Fernseh-Wettermoderator sowohl vor als auch hinter der Kamera tätig und liefert derzeit täglich Wettervorhersagen im Radio. Er hat Wettergrafik-Präsentationssysteme für das Fernsehen sowie spezielle Wettermessgeräte entwickelt und ist Mitautor von begutachteten Fachartikeln zu Klimathemen. Er betreibt die weltweit meistbesuchte Website zum Thema Klima, die preisgekrönte Website wattsupwiththat.com.

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By |2026-04-05T10:16:40+02:00April 5, 2026|Comments Off on In einer sich erwärmenden Welt übersteigt die Zahl der Todesfälle durch Kälte die der Todesfälle durch Hitze im Verhältnis 12 zu 1
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