Roger Pielke Jr.: „Akzeptieren Sie das Etikett ‚Klimaskeptiker‘ nicht so leichtfertig.“

In seinem ersten von zwei jüngsten Vorträgen für Clinton untersuchte Roger Pielke Jr. die politisierte Debatte um den Klimawandel. Sein Hauptargument war, dass der Klimawandel real sei und ernsthafte Aufmerksamkeit verdiene, die öffentliche Diskussion aber häufig weit über das hinausgehe, was die wissenschaftlichen Erkenntnisse stützen. Er schilderte auch, wie er Ziel politischer Angriffe wurde, unter anderem aus dem Weißen Haus unter Obama.

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Roger Pielke Jr. – photograph accompanying his Clintel lecture on climate science, extreme weather and the climate sceptic label.

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Clintel Foundation
Datum: 22. Oktober 2026

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Der Forscher Roger Pielke Jr. begann seine erste Vorlesung am 11. Oktober mit der Betonung, dass die Existenz des vom Menschen verursachten Klimawandels nicht die zentrale Frage sei. Die wichtigeren Fragen beträfen das Ausmaß künftiger Risiken, die Zuverlässigkeit von Prognosen und die politischen Maßnahmen, die Regierungen ergreifen sollten.

Seine gesamte Präsentation können Sie unten ansehen:

Pielkes eigene Karriere nahm eine dramatische Wendung, nachdem er Behauptungen, extreme Wetterereignisse stünden im Zusammenhang mit der globalen Erwärmung, infrage stellte. In seiner Forschung untersuchte Pielke, ob die zunehmenden wirtschaftlichen Verluste durch Hurrikane, Überschwemmungen und andere Katastrophen auf den Klimawandel zurückzuführen seien. Seine Ergebnisse deckten sich mit den Schlussfolgerungen des Weltklimarats (IPCC), der in seinem Bericht von 2012 feststellte, dass langfristige Trends bei Katastrophenschäden, bereinigt um Bevölkerungszahl und Wohlstand, nicht dem Klimawandel zugeschrieben werden konnten, ein Beitrag jedoch nicht ausgeschlossen werden konnte.

Dennoch wurde Pielke plötzlich als Klimawandelleugner gebrandmarkt. Diese Bezeichnung war besonders brisant, da seine Arbeit einem Peer-Review-Verfahren unterzogen worden war und durch spätere Erkenntnisse nicht widerlegt wurde. Die Kontroverse verdeutlichte ein tieferliegendes Problem: Wissenschaftliche Meinungsverschiedenheiten über einzelne Behauptungen wurden zunehmend als Beweis für eine Feindseligkeit gegenüber der Klimaforschung an sich interpretiert.

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Das Weiße Haus wendet sich gegen ihn

Pielke schilderte, wie sich diese Feindseligkeit verschärfte, nachdem er 2013 vor dem Umweltausschuss des US-Senats ausgesagt hatte. Der Ausschuss hatte ihn eingeladen, den Inhalt des umfangreichen IPCC-Berichts zu Extremwetter zusammenzufassen. Ihm wurden lediglich fünf Minuten Redezeit eingeräumt, doch seine Aussage erreichte innerhalb einer Woche rund 400.000 Aufrufe auf YouTube.

Einige Monate später sagte John Holdren, Wissenschaftsberater von Präsident Barack Obama, vor dem Senat zum Thema Extremwetter aus. Laut Pielke widersprachen Holdrens Aussagen den von Pielke präsentierten IPCC-Ergebnissen. Ein Senator konfrontierte Holdren damit, dass Pielke dem Ausschuss zuvor eine andere Darstellung der wissenschaftlichen Bewertung gegeben hatte. Pielke zufolge reagierte Holdren auf diese Peinlichkeit, indem er die Veröffentlichung eines sechsseitigen Dokuments über ihn auf der Website des Weißen Hauses veranlasste.

Laut Pielke handelte es sich um einen außergewöhnlichen Eingriff der US-Regierung gegen einen einzelnen Wissenschaftler. Die institutionelle Autorität des Weißen Hauses hatte weitreichende Konsequenzen, die weit über eine gewöhnliche wissenschaftliche Meinungsverschiedenheit hinausgingen. Pielke sagte, sein Berufsleben habe sich von diesem Zeitpunkt an verändert.

Der Druck dehnte sich bald auf den Kongress aus. Der Abgeordnete Raul Grijalva, damals ein prominentes demokratisches Mitglied des Kongresses, schickte Briefe an mehrere Universitäten, in denen er Untersuchungen gegen Forscher forderte, deren Arbeit Behauptungen zum Klimawandel in Frage gestellt hatte. Pielke gehörte neben Wissenschaftlern wie Judith Curry und John Christy zu den Betroffenen.

Der Brief an den Präsidenten von Pielkes Universität enthielt eine besonders schwerwiegende Anschuldigung: „Wir glauben, dass Roger Pielke heimlich Geld von ExxonMobil annimmt.“ Darin wurde eine Untersuchung seiner Finanzierung, Zugang zu seinen E-Mails und den Entwürfen seiner Aussage vor dem Senat gefordert.

Pielke beschrieb die Erfahrung mit der Untersuchung des Kongresses als äußerst unangenehm. Die Anschuldigungen beeinträchtigten auch sein Ansehen unter Kollegen. Einige zögerten, mit ihm zusammenzuarbeiten, selbst wenn sie ihn persönlich für ehrlich hielten, da die Berichterstattung prominenter Medien seinen Namen mit Vorwürfen geheimer Finanzierungen der fossilen Brennstoffindustrie in Verbindung gebracht hatte. Er scherzte, er könne heute über die Affäre lachen, betonte aber, dass sie damals alles andere als lustig gewesen sei.

Sein Hauptvorwurf lautete, dass Kritiker versucht hätten, ihn zu diskreditieren, anstatt sich mit seinen Beweisen auseinanderzusetzen. Anstatt seine Daten, seinen Code oder seine Analysen einzusehen, stellten sie seine Motive und seine finanzielle Integrität infrage. Dieses Vorgehen untergrub die offene wissenschaftliche Debatte und schadete seiner Karriere.

Pielke argumentierte, dass der Vorfall eine größere Tendenz in der Klimapolitik widerspiegelte: Forscher, die einflussreiche Narrative infrage stellten, konnten als politisch verdächtig gelten, unabhängig davon, ob ihre Ergebnisse mit der wissenschaftlichen Literatur übereinstimmten. Die Bezeichnung „Leugner“ war nicht nur eine Beleidigung; sie erschwerte es Wissenschaftlern erheblich, überhaupt Gehör zu finden.

Was die Beweislage über extreme Wetterereignisse aussagt

Pielke kehrte daraufhin zum wissenschaftlichen Kernpunkt der Kontroverse zurück. Er betonte, dass verschiedene Arten von Extremwetter getrennt betrachtet werden müssten. Der Nachweis häufigerer oder intensiverer Hitzewellen belege nicht automatisch einen ähnlichen Trend bei Überschwemmungen, Hurrikanen, Dürren, Tornados oder anderen Phänomenen.

Der IPCC hat festgestellt, dass der Mensch in vielen Regionen zu vermehrten Hitzewellen und in einigen Gebieten zu stärkeren Niederschlägen beigetragen hat. Die Beweislage ist jedoch nicht für alle Extremwetter einheitlich. Pielke argumentierte, dass öffentliche Äußerungen, die nahelegen, dass praktisch jede größere Überschwemmung, jeder Hurrikan oder jede Dürre aufgrund des Klimawandels häufiger oder heftiger auftritt, oft über die Erkenntnisse der wissenschaftlichen Literatur hinausgehen.

Er unterschied zudem zwischen Extremwetter und Katastrophen. Die menschlichen und wirtschaftlichen Folgen eines Wetterereignisses hängen nicht nur von den meteorologischen Bedingungen ab, sondern auch von Bevölkerungswachstum, Entwicklung, Infrastruktur, Vorsorgemaßnahmen und Warnsystemen. Steigende Katastrophenschäden lassen sich nicht automatisch als Beweis dafür werten, dass das Wetter selbst extremer geworden ist.

Die Zuordnung von Extremwetter ist lächerlich

Pielke übte besonders scharfe Kritik an der Extremwetter-Attribution (EWA). Diese Studien versuchen abzuschätzen, wie der vom Menschen verursachte Klimawandel die Wahrscheinlichkeit oder Intensität eines bestimmten Ereignisses verändert hat. Ihre Schlussfolgerungen sorgen oft kurz nach einer Hitzewelle, Überschwemmung oder einer anderen Katastrophe für Schlagzeilen in den Medien, doch die angewandte Methode ist absurd.

Pielke argumentierte, dass einige EWA-Methoden so strukturiert seien, dass ihre Schlussfolgerungen eindeutiger erscheinen, als es die Beweislage rechtfertige. Ihre Komplexität könne es Journalisten und der Öffentlichkeit zudem erschweren, die zugrunde liegenden Annahmen zu beurteilen. Wie er es formulierte: „Sie setzt ihre Schlussfolgerung voraus.“

Um seine Bedenken zu verdeutlichen, wandte Pielke die gleiche Argumentationsweise wie in Attributionsstudien auf Beispiele an, die nichts mit dem Klimawandel zu tun hatten. Ein Beispiel betraf die Home Runs in der Major League Baseball. Die Anzahl der Home Runs erreichte 2019 einen Rekordwert. Pielke argumentierte, dass die Anwendung des Attributionsansatzes zu einer Schlagzeile führen könnte, die behauptet, die Spieler hätten ohne den Klimawandel niemals so viele Home Runs erzielt. Das Beispiel sollte zeigen, wie ein beobachteter Trend in eine Kausalbehauptung umgewandelt werden kann, wenn die Methode die Beziehung, die sie eigentlich testen soll, von vornherein miteinbezieht.

Er führte ein zweites Beispiel im Zusammenhang mit Patentanmeldungen an. Indem er denselben Ansatz auf die weltweit steigende Anzahl von Patentanmeldungen anwendete, könne er, so seine Aussage, einen Zusammenhang herstellen, der behaupte, dass die Zunahme von Patenten Überschwemmungen in Japan verursacht habe. Es gehe ihm nicht darum, dass Patente die Niederschlagsmenge beeinflussen, sondern darum, dass eine Methode einen scheinbar sinnvollen Zusammenhang zwischen unabhängigen Trends erzeugen kann, wenn ihre Annahmen und statistischen Verfahren nicht ausreichend geprüft werden.

Pielke erklärte, er habe diese Beispiele veröffentlicht und die Autoren von Attributionsstudien aufgefordert, die Fehler in seiner Analyse zu erläutern. Er berichtete, kaum öffentliche Resonanz erhalten zu haben, obwohl ihm einige Klimaforscher privat für die Thematisierung des Problems gedankt hätten. Er interpretierte diese Zurückhaltung, sich offen damit auseinanderzusetzen, als weiteres Symptom der politischen Brisanz des Themas.

Seine Kritik richtete sich nicht gegen den Einfluss des Klimawandels auf Extremwetter. Vielmehr argumentierte er, dass die Zuordnung einzelner Ereignisse anfällig für Überinterpretationen sei und Schlagzeilen oft eine größere Gewissheit vermittelten, als die zugrundeliegenden Studien rechtfertigten. „Extremwetter ist politisiert worden“, warnte er, betonte aber gleichzeitig, dass fundierte wissenschaftliche Forschung weiterhin möglich sei.

Argumente für Beweise statt Etiketten

Pielke kam zu dem Schluss, dass wissenschaftliche Bewertungen wie die des IPCC weiterhin unerlässlich sind. Er rief Forscher und Organisationen dazu auf, die Beweislage sorgfältig zu prüfen, anstatt sich vorschnell als Klimaskeptiker oder Klimabefürworter zu positionieren.

Seine in dem Vortrag dargelegte Position war, dass die etablierte wissenschaftliche Literatur – einschließlich ihrer Grenzen und Unsicherheiten – ernst genommen werden sollte. Sie erkennt die vom Menschen verursachte Erderwärmung an und zeigt gleichzeitig, dass sich die Trends je nach Art von Extremwettern deutlich unterscheiden. Politische und mediale Darstellungen, die diese Unterschiede verwischen, bergen die Gefahr, die Öffentlichkeit irrezuführen.

Die Erfahrung, wegen der Annahme geheimer Gelder von ExxonMobil ermittelt und beschuldigt worden zu sein, hatte Pielke davon überzeugt, dass die Klimadebatte eine gefährliche Intoleranz gegenüber abweichenden Meinungen entwickelt hatte. Er argumentierte, dass Wissenschaftler anhand ihrer Methoden und Beweise beurteilt werden sollten, nicht anhand von Annahmen über ihre politischen Loyalitäten oder finanziellen Motive.

Seine abschließende Botschaft war daher sowohl wissenschaftlicher als auch institutioneller Natur: Eine bessere Politik erfordert genaue Risikobewertungen, und genaue Bewertungen erfordern die Freiheit, Behauptungen zu hinterfragen, ohne persönlich diskreditiert zu werden.

Pielke riet dem Publikum außerdem, sich nicht vorschnell als „Klimaskepten“ abstempeln zu lassen, da viele ihrer Ansichten den Erkenntnissen der etablierten Wissenschaft viel näher lägen, als ihnen bewusst sei. „Wer sich auf die Fakten stützt, der hat Recht.“

Traduction : Eric Vieira

Werfen Sie einen Blick auf die Folien dieser Vorlesung: Was die Klimawissenschaft tatsächlich über Extremwetterereignisse aussagt.

Dieser Artikel handelt von Pielkes erster Vorlesung für Clintel am 11. Oktober 2026. Die zweite Vorlesung wird demnächst ebenfalls veröffentlicht.

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By |2026-10-22T08:53:34+02:00October 22, 2026|Comments Off on Roger Pielke Jr.: „Akzeptieren Sie das Etikett ‚Klimaskeptiker‘ nicht so leichtfertig.“
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