Al Gore: „Die Wissenschaftler haben absolut Recht behalten“
Zwanzig Jahre nach „Eine unbequeme Wahrheit“ glaubt Al Gore immer noch an den Kampf gegen den Klimawandel: „Wir werden gewinnen.“
Al Gore steckt immer noch in der Welt der grünen Verschwörungstheorien fest.
Auszug aus dem Guardian:
Der ehemalige US-Vizepräsident ist auch zwei Jahrzehnte nach seiner bahnbrechenden Dokumentation noch immer optimistisch, was den Klimaschutz angeht.
Oliver Milman Do 24. September 2026 07.43 AEST
…
Bei einer Veranstaltung in New York zum 20. Jahrestag der Veröffentlichung des Films und seines anschließenden Engagements für den Klimaschutz scherzte der inzwischen 78-jährige Gore auf die Frage nach den Fortschritten der letzten zwei Jahrzehnte: „Ich sage immer, wenn ich nicht da gewesen wäre, hätten wir jetzt vielleicht ein großes Problem.“
„Leider hat sich gezeigt, dass die Wissenschaftler absolut Recht hatten“, sagte Gore am Mittwoch. „In mancherlei Hinsicht haben sie das Ausmaß der Schäden möglicherweise sogar unterschätzt. Der Widerstand hat sich als beständiger und nachhaltiger erwiesen, als ich erwartet hatte.“
Die fossile Brennstoffindustrie habe „zu viele Regierungen unter ihre Kontrolle gebracht“ und sogar den obersten Klimaforschungsapparat der UN „in erschreckendem Ausmaß“, sagte Gore und bezog sich dabei auf einen kürzlich erschienenen Bericht des Guardian, wonach saudische Ölmanager an der Erstellung hochrangiger UN-Klimaberichte beteiligt gewesen seien.
…
Gore sagte, dass viele Entwicklungsländer zwar immer noch Schwierigkeiten hätten, ausreichende Finanzmittel für Projekte im Bereich erneuerbarer Energien und Batteriespeicher zu erhalten, er aber zuversichtlich sei, dass sich die breite Akzeptanz sauberer Energien, die mittlerweile regelmäßig billiger seien als fossile Brennstoffe wie Kohle und Gas, durchsetzen werde.
„Der Tag wird kommen, an dem wir den Widerstand überwinden. Wir sind schon sehr nah dran“, sagte er. „Ich glaube, wir werden gewinnen. Die Frage ist nur, ob wir es rechtzeitig schaffen, um die von mir erwähnten negativen Kipppunkte zu vermeiden.“
…
Weiterlesen: https://www.theguardian.com/us-news/2026/sep/23/al-gore-climate-crisis-an-inconvenient-truth
Das eigentliche Problem
Offensichtlich ist vieles von dem, was Gore über die Jahre behauptet hat, schlichtweg nicht eingetreten. Der Meeresspiegelanstieg hat sich nicht beschleunigt. Die Störungen in der Nahrungsmittelproduktion haben sich nicht verschärft – im Gegenteil, die Nahrungsmittelproduktion steigt rasant. Und das Polareis ist nicht geschmolzen.
Seine wichtigste Behauptung, dass der „Widerstand“ gegen erneuerbare Energien deren Einführung behindere, ist jedoch völliger Unsinn. Das eigentliche Problem ist, dass erneuerbare Energien nicht funktionieren.
Niemand hindert den Kauf von Systemen für erneuerbare Energien. Jeder, der Solarmodule, Batteriespeicher oder auch Windkraftanlagen möchte, kann diese in beliebiger Größe erwerben.
Sie möchten ein ganzes Viertel mit erneuerbarer Energie versorgen? Dann beschaffen Sie sich die nötigen Mittel, kaufen Sie ein großes Grundstück und installieren Sie Solaranlagen und Batteriespeicher. Niemand wird Sie aufhalten.
Natürlich sollten Sie genau überlegen, was Sie tatsächlich zu liefern versprechen.
Ein Freund von mir hat sein ganzes Haus mit Solarenergie versorgt, nachdem er die Komponenten aus China bestellt hatte – Solarmodule mit einer Leistung von mehreren zehntausend Watt. Abgesehen von einer unangenehmen Überraschung: Die bestellten Batterien entpuppten sich als viel kleinere Batterien, deren Gehäuse mit Steinen beschwert waren. Ansonsten hat er aber im Großen und Ganzen bekommen, was er wollte.
Aber selbst mit all dem muss mein Freund ab und zu den Netzstrom einschalten, insbesondere während der Klimaanlagensaison.
Mein Freund wird sich wahrscheinlich ins Fäustchen lachen, wenn das Stromnetz an der australischen Ostküste unter der Last bürokratischer Dummheit zusammenbricht – Strom ab und zu ist besser als gar keiner. Sich auf den Fall vorzubereiten, dass die Regierung uns im Stich lässt, ist eher sein Ding als die angebliche Klimakrise – eine Ansicht, die ich durchaus nachvollziehen kann. Aber man kann keine Zivilisation mit einer Energiequelle betreiben, die einen ständig im Stich lässt.
Al Gore mag zwar Menschen und Regierungen dazu bewegen können, erneuerbare Energien auszuprobieren, das will ich ihm nicht absprechen. Was er aber nicht kann, ist, ehemalige Befürworter davon zu überzeugen, weiterhin auf erneuerbare Energien zu setzen, wenn sie – wie derzeit in Deutschland – mit der wirtschaftlichen Realität unzuverlässiger und teurer Energie konfrontiert werden.
Übersetzung: Eric Vieira
Der Artikel, den Sie soeben gelesen haben, wurde durch unsere Spender ermöglicht.
Clintel veröffentlicht täglich Artikel zu Klima, Energie und Wissenschaft. Wir übersetzen und verbreiten außerdem internationale Analysen in verschiedenen Sprachen, produzieren Videos, veröffentlichen Berichte und organisieren Konferenzen und Veranstaltungen weltweit.
Wir erhalten keine staatlichen Fördermittel und sind vollständig auf die Unterstützung unserer Spender angewiesen. Ihre Unterstützung hilft uns, unabhängige Forschung zu fördern und zu einer offeneren und ausgewogeneren Debatte über Klima- und Energiefragen beizutragen.
Möchten Sie unsere Arbeit unterstützen? Wählen Sie die Option, die am besten zu Ihnen passt:
- Werden Sie Freund von Clintel – unterstützen Sie uns mit einem jährlichen Beitrag
- Richten Sie eine regelmäßige Spende ein – leisten Sie fortlaufende Unterstützung und helfen Sie uns bei der Planung
- Spenden Sie einmalig – jeder Beitrag hilft
Vielen Dank für Ihre Unterstützung.
more news
Peak Oil By Any Other Name
Tilak Doshi reviews “The Energy Trap” by Richard Lyon and thinks it is too pessimistic. “It treats present constraints as fixed limits rather than as problems that markets, technology and human creativity have repeatedly transformed for the better.”
Jacob Nordangård: The Capture of Academia
In his recent presentation The Capture of Academia – The Case of Climate Change, for the Omniwar Symposium, Swedish researcher Jacob Nordangård argues that the rise of anthropogenic global warming as the dominant explanation for climate change, was shaped by influential philanthropic foundations, research institutions and political networks.
Roger Pielke Jr.: A Report from the Netherlands
In this article Roger Pielke reflects on his recent presentations for Clintel and his trip to the Netherlands. “Why engagement matters to me.”






