Indien zum Klimakartell: Zählt uns nicht mehr dazu

Eine der größten Nachrichten des Jahres hätte Indiens explizite Ablehnung der globalen Netto-Null-Bewegung sein sollen, sagt Vijay Jayaraj.

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India rejects net zero

Kohlekraftwerk in Indien. (Quelle: Shutterstock)

Vijay Jayaraj
Datum: 5. August 2026

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Manchmal gerät eine Geschichte in Vergessenheit, nicht weil Redakteure sich dagegen verschwören, sondern weil der Nachrichtenzyklus nur Platz für eine Krise gleichzeitig bietet. In diesem Jahr war der Iran-Krieg das beherrschende Thema. Doch selbst unter Berücksichtigung konkurrierender Schlagzeilen ist das Schweigen um eine wirklich folgenreiche Entwicklung bezeichnend.

Und das ist die Geschichte von Indiens offener Ablehnung der globalen Netto-Null-Bewegung. Indien hat seine Bewerbung um die Ausrichtung der UN-Klimakonferenz COP33 zurückgezogen, und die internationale Klimapresse hat dies eher als Fußnote denn als das Signal behandelt, das es ist.

Indien hatte jahrelang versucht, sich in der Klimapolitik Gehör zu verschaffen, und die Ausrichtung der COP33 kam für die indische Regierung einer Krönung gleich. Doch dann zog Indien still und leise, ohne öffentliche Erklärung, sein Angebot zurück. Keine Pressekonferenz. Keine Begründung. Einfach eine Regierung, die sich von einer Rolle zurückzog, für die sie sich jahrelang beworben hatte.

Tatsächlich hat Indien die Kosten einer Energiewende hin zu Netto-Null-Energie für eine Bevölkerung von 1,4 Milliarden Menschen, die sich aus der Armut befreien wollen, genau berechnet – und das Ergebnis gefällt dem Land nicht. Die Vorstellung, Indien solle seine Wirtschaft durch restriktive Klimapolitiken fesseln, während die Bevölkerung weiterhin mit Energieengpässen zu kämpfen hat, ist unlogisch und moralisch nicht zu rechtfertigen.

Daten, die India keinen Gipfel braucht, um sie zu sehen

Darüber hinaus ist die Behauptung, die indische Umwelt verschlechtere sich aufgrund des Energieverbrauchs rapide, nachweislich falsch. Indiens eigene Umweltindikatoren stützen nicht die apokalyptische Darstellung der Klimabesessenen.

Jahrelang stützten sich Hydrologen und Klimamodellierer auf Schneefallschätzungen aus dem Himalaya, um die Wasserverfügbarkeit für Hunderte Millionen Menschen in den Ebenen des Ganges, die fruchtbarsten in Südasien, vorherzusagen. Ihre Prognosen eines deutlich trockeneren Indiens erwiesen sich, wie sich herausstellte, als falsch.

Ein Forscherteam, bestehend aus Wissenschaftlern des British Antarctic Survey, des britischen Wetterdienstes Met Office und des Indian Institute of Technology Kharagpur, nutzte zugefrorene Hochgebirgsseen als natürliche Drucksensoren, anstatt sich auf zu kleine, herkömmliche Regenmesser zu verlassen. Das Ergebnis war verblüffend: Innerhalb eines einzigen Winters hatten die besten verfügbaren Schneefallmodelle die saisonale Schneemenge über dem Hampta-Seegebiet in Himachal Pradesh um 37 % unterschätzt. Die von Fachkollegen begutachtete Studie verdeutlicht, dass herkömmliche Instrumente seit Jahrzehnten große Schneemengen nicht erfassen.

Dann ist da noch die Geschichte der Vegetation, die dem Untergangsszenario noch deutlicher widerspricht. Forscher des Indischen Instituts für Tropenmeteorologie modellierten, wie die indische Landschaft auf eine Zukunft mit hohen Emissionen reagieren würde, und verwendeten dabei dieselben Computermodelle, die Klimaaktivisten bei ihren Katastrophenwarnungen heranziehen.

Das Ergebnis war keine Wüstenbildung. Im Gegenteil. Die Brutto-Primärproduktion, ein Maß dafür, wie viel Kohlendioxid Indiens Wälder, Ackerland und sonstige Vegetation absorbieren, stieg von etwa 729 Gramm Kohlenstoff pro Quadratmeter jährlich im Jahr 1985 auf etwa 830 im Jahr 2014 und wird sich Prognosen zufolge bis zum Jahr 2100 auf rund 1.305 nahezu verdoppeln. 

Tiger und Löwen

Hinzu kommen die stetige Ausdehnung der Waldfläche Indiens in den letzten zwei Jahrzehnten und die Erholung der Populationen gefährdeter Arten wie Tiger und asiatische Löwen – Erfolge, die eher auf Naturschutz und Lebensraummanagement als auf Dekarbonisierungsvorgaben zurückzuführen sind.

All dies bedeutet, dass Indien seine Umweltbewertung nicht länger einem UN-Prozess überlässt, der jedes Barrel Öl und jede Tonne Kohle als moralischen Verstoß betrachtet, ungeachtet ihres Nutzens für die Beleuchtung einer Kinderklinik oder die Energieversorgung eines Stahlwerks mit Tausenden von Beschäftigten. Ein Land, in dem immer noch Hunderte Millionen Bürger keinen zuverlässigen Zugang zu Elektrizität haben, kann es sich nicht leisten, Energiearmut als akzeptablen Kompromiss für eine Führungsrolle im Klimaschutzkomplex zu betrachten.

Deshalb hat Indien die Kohleproduktion ausgebaut und Öl- und Gasabkommen mit den USA und den Produzenten am Persischen Golf geschlossen. Es hat sich verbindlichen Emissionszielen widersetzt, die sein eigenes industrielles Wachstum begrenzt hätten, und war nicht bereit, sich auf weit entfernte Ziele zur Emissionsreduzierung festzulegen. Indiens Verzicht auf die Ausrichtung der COP33 ist wohl der sichtbarste Ausdruck einer strategischen Ausrichtung, die sich über Jahre hinweg entwickelt hat.

Ein Land, dem die gesamte Architektur der Klimafinanzierung angeblich helfen soll, hat gerade abgelehnt, die Feier zu veranstalten. Würden Klimagipfel wie versprochen funktionieren, wäre das undenkbar. Doch das ist nicht mehr der Fall, und das Gegenteil zu behaupten, macht den nächsten Rückzug nicht weniger vorhersehbar.

Dieser Artikel wurde ursprünglich  am 1. August 2026 auf American Greatness veröffentlicht.

Vijay Jayaraj

Vijay Jayaraj ist wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der CO2 Coalition in Fairfax, Virginia. Er besitzt einen Master-Abschluss in Umweltwissenschaften von der University of East Anglia und einen Postgraduierten-Abschluss in Energiemanagement von der Robert Gordon University, beide in Großbritannien, sowie einen Bachelor-Abschluss in Ingenieurwesen von Anna University in Indien. Zuvor war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Changing Oceans Research Unit der University of British Columbia in Kanada tätig.

Übersetzung: Eric Vieira

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By |2026-08-04T19:50:29+02:00August 5, 2026|Comments Off on Indien zum Klimakartell: Zählt uns nicht mehr dazu…
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