Die selektive Empörung der Umweltbewegung über bedrohte Tierarten
Wenig überraschend fiel die Reaktion von Aktivisten auf die neue Auslegung des US-amerikanischen Artenschutzgesetzes extrem aus. Doch wo blieb der Aufschrei, als die Biden-Regierung die Tötung von Weißkopfseeadlern und Walen für den Bau ihrer politisch bevorzugten Windkraftanlagen erlaubte?
Präsident Donald Trump verkündete auf Truth Social, dass seine Regierung den Endangered Species Act (ESA) „wiederhergestellt“ habe, und berief sich dabei auf die Auslegung des Gesetzes durch den verstorbenen Supreme-Court-Richter Antonin Scalia, was bei Entwicklungsgegnern Krokodilstränen auslöste.
Die Regierung vertritt die Ansicht, dass die Regulierungsbehörden, die sich einer Ausweitung der Vorschriften verschrieben hatten, das Gesetz von 1973 in ein automatisches Hindernis für menschliche Aktivitäten umgewandelt hätten, anstatt es als gezielten Schutz bedrohter Arten zu fördern. Im Jahr 2012 bezeichnete Richter Scalia die Ausweitung des Gesetzes durch die Regulierungsbehörden – vom Schutz vor Tierschädigung auf den Schutz von Lebensräumen – als „eine verheerende Interpretation“ der Absicht des Kongresses. Er wies die Auffassung zurück, dass jede Form der Ökosystemveränderung automatisch als verbotener „Schaden“ gelten sollte.
Wie erwartet, fielen die Reaktionen von Aktivisten extrem aus. Die Maßnahme der Regierung „untergräbt den Schutz bedrohter Wildtiere“, erklärte das Center for Biological Diversity. Earthjustice-Anwältin Kristen Boyles sagte: „Dieser umfassende Angriff auf gefährdete Wildtiere ist unamerikanisch.“
Doch wo blieb diese Empörung, als die Biden-Regierung die Tötung von Weißkopfseeadlern und Walen für den Bau ihrer politisch bevorzugten Windkraftanlagen erlaubte? Viele der gleichen Stimmen haben jahrelang große „grüne“ Energieprojekte propagiert, die Vögeln, Fledermäusen, Meeressäugern und sensiblen Lebensräumen Schaden zufügten.
Schlachtgenehmigungen
Der US-amerikanische Fisch- und Wildtierdienst (US Fish and Wildlife Service) erteilte Genehmigungen für unbeabsichtigte Beifänge, die es Betreibern gestatten, Adler im Rahmen des Turbinenbetriebs zu verletzen oder zu töten. Eine Regelung aus dem Jahr 2024 ging noch einen Schritt weiter und führte vereinfachte allgemeine Genehmigungen ein, sodass förderfähige Projekte sich für die Genehmigung registrieren lassen konnten, anstatt Einzelfallprüfungen durchlaufen zu müssen.
Biologen warnen davor, dass die Sterblichkeit von Adlern an Windkraftanlagen weit verbreitet und stark unterschätzt ist. Kalifornische Aufsichtsbehörden bemühen sich nun fieberhaft, Steinadler zu schützen, vor eben jenen Anlagen, deren Bau der Staat subventioniert hat.
Die Presse hat weitgehend weggeschaut. Traditionelle Medien sehen bei Windkraftanlagen über Vogelsterben hinweg, das für Empörung auf den Titelseiten sorgen würde, wenn es von einer Raffinerie verursacht würde. Das Gemetzel beschränkt sich nicht nur auf Adler. Studien belegen, wie Wildtiere auf drei Kontinenten die Zeche für sogenannten sauberen Strom zahlen. In meinem Heimatland Indien treiben Stromleitungen und Windkraftanlagen die Großtrappe an den Rand des Aussterbens.
Wale, um die niemand trauert
Auf See wird es noch schlimmer. Bundesbehörden haben Genehmigungen erteilt, die es Projektentwicklern erlauben, Wale während seismischer Untersuchungen und Rammarbeiten für Offshore-Windprojekte entlang der Atlantikküste zu stören und sogar zu töten.
Forschungen haben Bedenken geweckt, dass diese akustische Störung in direktem Zusammenhang mit Verletzungen und Todesfällen von Walen stehen könnte. Als die Regierung eine Überprüfung der bundesstaatlichen Vergabepraxis für Pachtverträge und Genehmigungen für Offshore-Windparks anordnete, bezeichneten dieselben Aktivisten, die zuvor die Überarbeitung des Endangered Species Act (ESA) beklagt hatten, die Aussetzung als Angriff auf den Planeten.
Die Bestände der Nordatlantischen Glattwale sind auf wenige Hundert Tiere geschrumpft. Während der Untersuchungsjahre wurden in New Jersey und New York tote Buckelwale an die Küsten gespült, und die Gruppen, die bei einer einzigen Ölkatastrophe einstweilige Verfügungen erwirkt hätten, erklärten, warum nichts miteinander in Zusammenhang gebracht wurde.
Man muss nicht gegen Offshore-Windenergie sein, um anzuerkennen, dass die Meeresfauna unabhängig von der Energiequelle denselben Schutz verdient. Dasselbe einseitige Verhalten zeigt sich auch bei Solaranlagen an Land. Große Solaranlagen benötigen riesige Freiflächen. Solche Projekte werden oft enthusiastisch unterstützt, weil sie politischen Interessen dienen.
Anwohner in ganz New York wehren sich gegen 18 geplante Solarparks, die Naturschutzgebiete und landwirtschaftliche Nutzflächen mit Solaranlagen überziehen, Wildtiere töten und im Gegenzug nur wenig Strom liefern würden. Es handelt sich um Landwirte und Jäger, die selbst in diesen Lebensräumen leben. Umweltschützer hingegen unterstützen die Solarenergie.
Der Hinweis
Eine Bewegung, die es ernst meinte, hätte dort am härtesten gekämpft, wo das Töten von Adlern genehmigt, gezielt und andauernd war. Sie hätte gefordert, dass jede Turbine und jedes Solarpanel der gleichen strengen Prüfung unterzogen wird wie Erdgasverdichter. Sie hätte eine 30-jährige Genehmigung zur Adlerjagd als den Skandal geahndet, der sie eindeutig ist.
Stattdessen bezogen die Aktivisten Stellung nach Energieträger. Wildtiersterben durch Kohlenwasserstoffe galt als moralische Tragödie. Dasselbe galt für Todesfälle durch subventionierte Wind- und Solarenergie – als ein akzeptabler Tausch, eine Übergangskosten, eine Randnotiz im Kampf um „die Welt zu retten“. Das ist ein politisches Programm, das sich mit Naturschutz als Verkleidung tarnt.
Übersetzung: Eric Vieira
Dieser Kommentar wurde erstmals am 22. August 2026 auf American Greatness veröffentlicht.

Vijay Jayaraj
Vijay Jayaraj ist wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der CO2 Coalition in Fairfax, Virginia. Er besitzt einen Master-Abschluss in Umweltwissenschaften von der University of East Anglia und einen Postgraduierten-Abschluss in Energiemanagement von der Robert Gordon University, beide in Großbritannien, sowie einen Bachelor-Abschluss in Ingenieurwesen von Anna University in Indien. Zuvor war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Changing Oceans Research Unit der University of British Columbia in Kanada tätig.
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